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Tricks mit Waschmitteln und Weichspülern? – Worüber die ARD nicht berichtet.

Eine Fernsehsendung über „Die Tricks mit Waschmitteln, Weichspülern und Co.“ sorgt auch im Netz für Verunsicherung. Dabei sind viele entscheidende Informationen leider einem sensationslustigen Drehbuch zum Opfer gefallen. Wir möchten hier mit Fakten auf die Vorwürfe reagieren.

Dosierung, Rezepturen, Inhaltsstoffe, Umweltrisiken – wer den Beitrag „Die Tricks mit Waschmitteln, Weichspülern und Co.“ sieht, muss annehmen, dass es für Waschmittel keine gesetzlichen Vorgaben gibt und Wildwuchs herrscht. Dem Unterhaltungs-Anspruch wird der Beitrag damit gerecht, der Wahrheit kommt er in vielen Fällen jedoch nicht so nahe. „Es ist durch den Beitrag immerhin gelungen, ein breites öffentliches Interesse für wichtige Umwelt- und Verbraucherthemen zu wecken“, sagt Bernd Glassl, Bereichs­leiter Haushaltspflege im Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW). Die Themen geben allerdings mehr her als das verwirrend einseitige Drehbuch.

Reizworte statt relevanter Information

Der IKW bietet Informationen für alle, die sich selbst ein Urteil bilden möchten. Denn hinter den vermeintlichen „Tricks“ im Beitrag verbergen sich gute Gründe oder sogar Gesetze. Der IKW lädt Sie ein: Nutzen Sie den Beitrag als Startpunkt, um mehr zu erfahren und sich schlau zu machen:

 

Punkt 1: Sind portionierte Waschmittel überflüssig?

In dem Beitrag werden vordosierte Flüssigwaschmittel (sogenannte „Caps“, „Pods“ oder Discs“) als überflüssig dargestellt. Es gibt aber gute Argumente für sie: Erstens kommen die fertig dosierten Portionen dem Wunsch vieler Menschen nach einfacher Handhabung entgegen. Sie helfen dabei, Über- und Unterdosierungen zu vermeiden.

Zweitens spricht ein ökologisches Argument für ihre Verwendung: Gerade in diesen modernen Waschprodukten ist die Wirkstoffkonzentration deutlich höher als in klassischen flüssigen Waschmitteln. Verpackung, Transport, und Lagerung sind entsprechend weniger aufwendig.

Übrigens ist der Waschmittelverbrauch in den vergangenen zehn Jahren in Deutschland um knapp 1 Kilogramm pro Person zurückgegangen und liegt pro Kopf und Jahr nicht bei 7,5 Kilogramm, wie es im ARD-Beitrag heißt, sondern bei 6,5 Kilogramm Waschmittel.

Die Europäische Union (EU) reguliert streng

Die im Beitrag kritisierte Wirkstoffzusammensetzung der „Caps“, „Discs“ oder „Pods“ für eine Anwendung mit 4,5 Kilogramm Wäsche und mittelhartem Wasser ist sinnvoll – und Vorschrift! Sie ist das Resultat der gesetzgeberischen Regelungen durch die detailreiche EU-Verordnung 648/2004, die sogenannte Detergenzien-Verordnung.

Ob man nun Pulver-, konzentrierte Pulver-, Flüssig- oder vorportioniertes Waschmittel einsetzt, kann man anhand des Kriteriums entscheiden, wie gerne man selbst Waschmittel präzise dosiert. Und auch je nachdem, wie viel Platz in der Waschküche ist, und wie sich die Wäsche genau zusammensetzt.

Eine weitere gute Nachricht: Die Hüllen der Discs, Pods und Caps sind vollständig wasserlöslich und biologisch abbaubar.

Punkt 2: Waschmittel-Plastik in den Gewässern?

Es sei ein Problem, dass die Waschmittel nicht vollständig biologisch abbaubar seien, wird im Beitrag gesagt. Der IKW merkt dazu an: Das gilt nicht für die waschaktiven Substanzen, die sogenannten Tenside. Sie sind vollständig biologisch abbaubar. Das ist in aufwendigen Labortests nachweisbar. Der Gesetzgeber verlangt eine vollständige biologische Abbaubarkeit in 28 Tagen im Laborversuch. Diese Frist beruht auf internationalen Standards der EU und OECD. Sie gewährleisten, dass die Stoffe in Kläranlagen und in der Umwelt in viel kürzerer Zeit vollständig abgebaut werden, u. a. weil dort die Menge an Bakterien pro Liter viel höher ist als im Laborversuch.

Manche Polymere sind tatsächlich schwer biologisch abbaubar. Das bedeutet aber nicht, dass es sich um Mikroplastik handelt! Die Polymere lösen sich im Wasser gänzlich auf, sodass von „Plastik“ (das laut Definition immer Form und Festigkeit hat) nicht die Rede sein kann. Das ist ein entscheidender Unterschied zum bekannten, großen Mikroplastik-Problem der Ozeane.

Und warum sind diese Polymere in den Waschmitteln enthalten? Vor allem als Zusätze, die für das Waschergebnis wichtig sind und beispielsweise dafür sorgen, dass durch Tenside gelöste Schmutzstoffe sich nicht gleich wieder mit den Textilfasern verbinden.

Zudem ist die Information wichtig, dass auch ein Großteil der flüssigen Polymer-Verbindungen im Klärschlamm gebunden und mit ihm verbrannt wird. Der überwiegende Anteil gelangt also nicht in die Fluss- und Grundwässer. Nur wenige flüssige Waschmittel enthalten Trübungsmittel oder Minikapseln, die mit Duftstoffmischungen gefüllt sind, von denen einige unter die europäische amtliche Definition für Mikroplastik fallen. Gelangen diese ins Abwasser, filtern die Kläranlagen sie zu über 95 Prozent aus dem Abwasser heraus.

Übrigens werden in Deutschland in Kläranlagen beträchtliche Mengen schwer biologisch abbaubarer Polymere verwendet. Man setzt sie dem Klärschlamm zu, damit sich das darin enthaltene Wasser besser abtrennen lässt. Diese Polymere sind chemisch und in ihren Eigenschaften sehr ähnlich wie in Waschmitteln eingesetzte Polymere. Darauf weist der ARD-Beitrag nicht hin.

Punkt 3: Mogelpackungen?

Ein weiterer spannender Punkt wird irreführend dargestellt, nämlich dass Flüssigwaschmittelflaschen zu groß dimensioniert und daher Mogel­pa­ckun­gen wären. Tatsächlich müssen die Flaschen so groß sein, weil Flüssig­waschmitteln beim Abfüllen schäumen können. Müsste die Abfüllung ver­lang­samt werden, damit der Schaum zerplatzen kann, dann würden die Waschmittel teurer.

Das gilt übrigens auch für Waschpulver, in deren Packungen etwas „Luft steckt“. Lässt „die Industrie“ aber mit Absicht den oberen Bereich der Packung frei, um die Verbraucher zu täuschen? Nein. Der Grund ist schlicht der Abfüllprozess: Die Packungen werden in den automatisierten Abpack-Anlagen bis oben gefüllt. So wie man es von Sand kennt, der aufgeschüttet wird, bildet sich auch bei dem Abfüllen von Waschpulver im oberen Bereich ein kleiner kegelförmig zulaufender Hügel. Aber im Laufe des Transports und der Lagerung verteilt sich dieser Hügel gleichmäßiger in der Verpackung und sackt die Füllmasse wieder etwas zusammen. Dies folgt dem Gesetz der Schwerkraft.

Punkt 4: Unverständliche Rezepturen?

Der Reporter lässt Passanten die Inhaltsstoffe von Waschmitteln vorlesen. Das geht kaum ohne Stolpern und ergibt manchen lustigen Zungenbrecher. Weist dieses Experiment aber auf eine Trickserei der Industrie hin? Nein, im Gegenteil. Die exakte Nennung der enthaltenen Inhaltsstoffe ist Pflicht der Hersteller.

Diese Angaben sind sinnvoller Bestandteil des europäischen Verbrau­cher­rechts: Die EU-Detergenzienverordnung (auch ein Zungen­brecher!) ver­pflichtet die Hersteller zu diesen Angaben. Aus gutem Grund: Denn so können Allergiker erkennen, welche Waschmittel für sie geeignet sind – auch auf Reisen, von Finnland bis Portugal.

Punkt 5: Sind chemische Duftstoffe allergen?

Im Beitrag heißt es, dass Duftstoffe in Weichspülern Allergien auslösen „können“. Das ist eine Binsenweisheit und gilt auch für Äpfel und Weintrauben. Und freilich für viele weitere natürliche und auch chemisch synthetisierte Stoffe.

Im Beitrag stellen Passanten fest, die Inhaltsstoffe klängen wie „Chemie“. Das ist korrekt. Aber was bedeutet „Chemie“ hier eigentlich?  Zum Beispiel wird der chemische Duftstoff Limonen in der Regel aus natürlichen Orangenschalen hergestellt. Die natürlichen Orangenschalen blieben sonst übrig als Reststoffe der Saftherstellung. Im Übrigen sind derart natürliche Aromen und ihre chemisch nachgebildeten Imitate stofflich schlicht identisch. Auch gegen Orangenschalen kann es bedauerlicherweise Allergien geben.

Punkt 6: Verwendung hautgefährlicher Substanzen?

Auch die Angabe „dermatologisch getestet“ auf Weichspülern wird kritisiert, weil sie streng genommen bloß bedeutet, dass Tests durchgeführt seien. Das ist korrekt. Aber es lohnt sich, auch darüber etwas tiefergehend nachzudenken:

Wenn Sie mögen, stellen Sie sich bitte einmal folgende Frage: Wenn Sie ein Hersteller wären und die Ergebnisse von Hautverträglichkeitstests ungünstig ausfielen, würden Sie ein solches Produkt dann auf den Markt bringen? Und wenn ja, aus welchem Grund? Was würden Sie sich davon erhoffen, außer schlechter Presse und enormer Ruf-Schädigung?

Die dermatologische Wirkung von Weichspülmitteln sowie Wasch- und Reinigungsmitteln ist umfassend untersucht worden. Das Ergebnis: Sie lösen sehr selten Allergien aus. Das sagen nicht nur die Hersteller, sondern auch Dermatologen und der Allergikerbund: In seltenen Fällen kann es zwar zu Hautbeschwerden durch Textilien kommen. Wichtig ist aber, dass es sich dabei zumeist nicht um Allergien auf Waschmittel oder Weichspüler handelt, sondern um Unver­träg­lich­keiten auf Farb- oder Ausrüstungsstoffe der Textilien oder auf Metalle, etwa von Knöpfen oder Reißverschlüssen.

Punkt 7: Glyphosat durch Abbau von Waschmittel-Inhaltsstoff?

Im Beitrag wird auch das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat erwähnt, das in Kläranlagen aus dem in Waschmitteln als Inhaltsstoff eingesetzten Phosphonat DTPMP entstehen könne. Tatsächlich liegt aber DTPMP in Kläranlagen nur in sehr niedrigen Konzentrationen vor. Unter realistischen Bedingungen ent-steht daraus keine signifikante Menge an Glyphosat. Daher besteht aus Sicht des IKW kein Risiko für Mensch und Umwelt durch die Bildung von Mikrospuren von Glyphosat aus DTPMP in Kläranlagen.

Zu Glyphosat wird gesagt, es sei von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „wahrscheinlich krebserregend“ eingestuft. Tatsächlich erfolgte diese Einstufung durch ein Institut der WHO in Frankreich, das „rotes Fleisch“ übrigens genauso eingestuft hat. Hilfreich ist an dieser Stelle zu wissen, dass die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) Glyphosat im Mai 2022 nicht als krebserregend eingestuft hat. Beide Fakten werden im Beitrag aber nicht erwähnt.

Einladung zum Selberdenken

Das Fazit der Fachleute des IKW lautet:

Es ist gut, wenn sich unabhängige Fernsehformate dem Konflikt- und Problemkreis der Umwelt- und Gesundheitsfolgen von Waschmitteln widmen. Als IKW ist es uns wichtig, hier an vielen Stellen fachlich zu präzisieren. Und wir erlauben uns, deutlich zu kritisieren: Der Beitrag legt nahe, dass sich der mit einem Bildungsauftrag versehene öffentlich-rechtliche Rundfunk viel zu sehr an Einschaltquoten orientiert. Durch die Sensationslust der Reporter kommt es zu einer grenzwertigen Vermischung von Unterhaltung und Information („Infotainment“).

Letztlich verkauft das öffentlich-rechtliche Fernsehen hier Unterhaltung als Information – auf Kosten der Wahrheit und Seriosität. Ist aber nicht eigentlich das ein „Verkaufstrick“? Weil sich die Macher von ihrer Leitvorstellung leiten lassen, „die Industrie“ sei eine listige Fallenstellerin, kommen sie auch auf genau dieses Ergebnis.

Das Bemühen der Waschmittelhersteller geht aber in eine andere Richtung. Sie sehen sich als transparente Dienstleister. Seit Jahren ist die Waschmittelindustrie freiwillig etwa im „FORUM WASCHEN“ im intensiven Austausch mit kritischen Institutionen der Verbraucher, des Umweltschutzes, der Wissenschaft oder von Behörden. Das Ziel ist größtmögliche Transparenz, da wir Verbraucher informieren möchten, wie sie verantwortungsvoll und effizient waschen können.

 

Stand: 11. September 2025

 

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