Nachhaltigkeitsinitiative der europäischen Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel-Industrie („Charter 2020+“)
Nachhaltigkeit umfasst ökologische, soziale und ökonomische Aspekte, die gleichermaßen beachtet und in ein ausgewogenes Verhältnis zueinander gebracht werden müssen.
Die Industrieinitiative „Nachhaltiges Waschen und Reinigen" von Detergents Europe (ehemals A.I.S.E., Brüssel) startete bereits im Jahr 2005 in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union sowie in Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz. Ihre Anforderungen wurden in den Jahren 2010 und 2019 aktualisiert und erweitert: Im Jahr 2010 wurden Nachhaltigkeitskriterien für bestimmte Produktkategorien (z. B. Waschmittel, Handgeschirrspülmittel) eingeführt. Im Jahr 2019 folgten Kriterien zur gesellschaftlichen Unternehmensverantwortung („Corporate Social Responsibility“, CSR) und zum nachhaltigen Einsatz von Verpackungen. Diese Kriterien der „Charter 2020+“ gelten seit Juli 2020. Im März 2026 hat sich Detergents Europe vor dem Hintergrund neuer Bestimmungen zu umweltbezogener Werbung und Nachhaltigkeitssiegeln entschlossen, die Nutzung der Charter-Siegel als Kommunikationsmittel schrittweise zu beenden. Für Produkte, die ab dem 27. September 2026 erstmals in Verkehr gebracht werden, soll das Charter-Siegel daher nicht mehr neu auf Verpackungen verwendet werden. Für bereits mit dem Siegel gekennzeichnete Produkte im Markt gilt eine Übergangsfrist; in diesem Zeitraum wird das zugrunde liegende Zertifizierungssystem an die Voraussetzungen der EmpCo angepasst, so dass diese Produkte längstens bis zum 27. September 2027 im Markt verbleiben können.

Produktbezogenes Siegel (schrittweise Einstellung der Nutzung)

Unternehmensbezogenes Siegel (schrittweise Einstellung der Nutzung)
Die Initiative verfolgt das Ziel, dass die teilnehmenden Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette kontinuierlich immer nachhaltiger wirtschaften. Sie kann seit dem Start im Jahr 2006 folgende Bilanz vorweisen:
- Das produktbezogene Siegel und die dazugehörigen Kriterien der Initiative wurden von dem Projekt „Siegelklarheit“ der Bundesregierung (jetzt Nordrhein-Westfalen) dem als „Sehr gute Wahl“ empfohlen.
- Etwa 17 Milliarden Packungen mit dem Produktsiegel der Initiative wurden von 2011 bis 2024 vermarktet.
- Die Zahl der teilnehmenden Unternehmen steigerte sich von 19 im Jahr 2005 auf inzwischen 105.
- Der Energieverbrauch pro Tonne produzierter Wasch- und Reinigungsmittel sank um 48 Prozent.
- Die Kohlendioxid-(CO2)-Emissionen pro Tonne produzierter Wasch- und Reinigungsmittel sanken um 65 Prozent.
Ausführliche Informationen u. a. zum Energie- und Wasserverbrauch während der Produktion, zur Menge des Verpackungsmaterials zu Schlüsselindikatoren bietet Detergents Europe auf der Internetseite der Initiative in englischer Sprache, seit dem Jahr 2006 jährlich in Nachhaltigkeitsberichten (Activity & Sustainability Report) und seit dem Jahr 2012 zusammengefasst in Berichten zu den Kennzahlen (KPI Performance Report) .
Der Kernpunkt des Konzepts ist eine freiwillige Verpflichtung der teilnehmenden Unternehmen, sich fortlaufend in den Bereichen Arbeits- und Produktsicherheit, Umweltschutz und Verbraucherinformation auf Unternehmensebene zu verbessern. Die Mitglieder der Initiative verpflichten sich, den gesamten Lebenszyklus der von ihnen vermarkteten Produkte überprüfbar an den Nachhaltigkeitskriterien der Initiative auszurichten. Der Produktlebenszyklus umfasst sowohl den Produktionsprozess, beginnend mit dem Rohstoffeinkauf über die eigentliche Herstellung, als auch die Verwendung durch Verbraucher und die Entsorgung der Produkte.
Die Erfüllung der Kriterien wird im Zeitverlauf von unabhängigen, externen, bei der Detergents Europe akkreditierten Auditoren überprüft. Vor dem Beitritt zur Initiative durchlaufen die Firmen zunächst eine Eingangsprüfung.
Die Initiative setzt auf Breitenwirkung: Durch die Teilnahme möglichst vieler Firmen in vielen Ländern soll eine deutliche Verbesserung bei messbaren Nachhaltigkeitskriterien erzielt werden, z. B. in Bezug auf Energie- und Rohstoffeinsparung. So steht die Teilnahme an der Initiative allen WPR-Herstellern und Handelsunternehmen offen, die WPR-Produkte vertreiben, unabhängig von einer Mitgliedschaft in der Detergents Europe oder ihren nationalen Mitgliedsverbänden.
Die Mitglieder der Initiative entrichten eine umsatzabhängige Gebühr. Für IKW-Mitglieder gelten ermäßigte Gebühren für die Teilnahme an der Initiative. Weitere Informationen zu den Zielen und Teilnahmebedingungen finden sich in englischer Sprache unter https://www.sustainable-cleaning2020.com/home/what-is-the-charter.
Bis zum Ende des Jahres 2023 waren über 114 Unternehmen Mitglieder der Initiative. Sie produzierten in 191 Betriebsstätten und deckten mit ihrer Produktion fast 95 Prozent der gesamten Produktion in der EU, Island, Liechtenstein, Norwegen, der Schweiz und im Vereinigten Königreich ab. Diese Firmen sind berechtigt, ihre Produkte mit dem Firmensiegel der Initiative zu kennzeichnen.
Seit 2010 zusätzlich produktbezogene Kriterien für Produkte
Seit Ende des Jahres 2010 wurden zusätzlich produktspezifische Kriterien eingeführt. Produkte (z. B. Waschmittel, Geschirrspülmittel, Weichspüler, Reinigungsmittel), die diese Kriterien erfüllen, wurden bis 26. September 2026 durch das produktbezogene Siegel der Initiative gekennzeichnet. Neben den unternehmensspezifischen Kriterien zum Produktionsprozess müssen diese Produkte zusätzliche produktspezifische Kriterien erfüllen:
- Die Produkte benötigen eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die bestätigt, dass die in der Umwelt zu erwartenden Konzentrationen der Inhaltsstoffe unterhalb des Werts liegen, bei dem kein Risiko für Umweltorganismen einschließlich Wasserlebewesen zu erwarten ist. Für diese Überprüfung steht eine EDV-Anwendung kostenfrei zur Verfügung.
- Die Produkte müssen möglichst konzentriert sein. So darf z. B. die Standarddosierung flüssiger Waschmittel maximal 55 Milliliter pro Anwendung betragen, bezogen auf normale Verschmutzung und 4,5 Kilogramm Trockengewicht bei Koch-/Buntwäsche bzw. 2,5 Kilogramm bei Feinwäsche mit leichter Verschmutzung, jeweils bei mittlerer Wasserhärte.
- Für das Verpackungsgewicht sind Obergrenzen festgelegt, für Verpackungsmaterialien sind bestimmte Rezyklatanteile vorgeschrieben, oder sie müssen aus nachhaltig produzierten Rohstoffen stammen.
- Auf den Packungen sind zudem Tipps zur sicheren Handhabung, zum Sparen von Wasser, Energie, CO2 und Geld sowie bei Waschmitteln der Hinweis auf eine mögliche Wäsche mit Temperaturen von 30°C und weniger anzubringen.
Die Kriterien werden bei Bedarf an den technischen Stand angepasst. Weitere Informationen zur Initiative und zu den Kriterien können über https://www.sustainable-cleaning2020.com/ abgerufen werden.
Auszeichnung der Initiative als "Sehr gute Wahl" auf siegelklarheit.de
Seit dem Jahr 2021 wurde das Produktsiegel der Initiative „Nachhaltiges Waschen und Reinigen“ im Projekt "Siegelklarheit" der Bundesregierung (jetzt: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen unter der Rubrik „Wasch- & Reinigungsmittel“ als „Sehr gute Wahl" aufgeführt, wie auch das deutsche Umweltzeichen „Blauer Engel“ und das amtliche Europäische Umweltzeichen („Euroblume“) für Wasch- und Reinigungsmittel. Berücksichtigt werden Kriterien in den Bereichen Glaubwürdigkeit, Umweltfreundlichkeit und Sozialverträglichkeit.
Bereits in der Zeit von 2016 bis 2020 war die Initiative „Nachhaltiges Waschen und Reinigen“ als „Gute Wahl“ bewertet worden.
Auch Verbraucher können zur Nachhaltigkeit beim Waschen und Reinigen beitragen
Der größte Anteil an Umweltauswirkungen von Wasch- und Reinigungsmitteln wird jedoch durch den Wasser- und Energieverbrauch bei deren Nutzung verursacht, z. B. in der Waschmaschine oder im Geschirrspüler. Die Etiketten müssen daher leicht verständliche Verbraucherinformationen zum nachhaltigeren Gebrauch tragen. Hinweise auf den Verpackungen sollen zu nachhaltigerem Waschen und Reinigen anregen, z. B. zum richtigen Dosieren von Wasch- und Reinigungsmitteln, vollen Beladen von Wasch- und Spülmaschinen und zur Wahl möglichst niedriger Wasch- und Spültemperaturen.
Die Akteure im FORUM WASCHEN haben im Jahr 2007 Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln aufgerufen, Mitglied der Initiative "Nachhaltiges Waschen und Reinigen" ("Charter") zu werden (siehe: Erklärung Charter). Die Dialogplattform FORUM WASCHEN bietet darüber hinaus viele Tipps und Ratschläge, wie man zuhause sparsam, hygienisch und effizient waschen und reinigen kann.

















