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Stellungnahme des IKW-Bereichs Haushaltspflege zum Abbau von Phosphonaten

Aus Sicht des IKW besteht kein Risiko für Mensch und Umwelt durch die Bildung von Mikrospuren von Glyphosat in Kläranlagen. Das in Waschmitteln als Inhaltsstoff eingesetzte Phosphonat DTPMP liegt in Kläranlagen nur in sehr niedrigen Konzentrationen vor. Unter realistischen Bedingungen ent­steht daraus keine signifikante Menge an Glyphosat.

Hintergrund:

Die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“[1] und der Deutschlandfunk[2] berichteten am 11. März 2024 über eine Vorab-Publikation von Ergebnissen der Arbeitsgruppe von Professorin Dr. Carolin Huhn von der Universität Tübingen. Die Arbeitsgruppe nimmt an, dass in Kläranlagen das Herbizid Glyphosat aus Phosphonaten wie z. B. Diethylen­triaminpenta­(methylen­phosphon­säure) („DTPMP“) entstehen könne, die Inhaltsstoffe von bestimmten Waschmitteln sind. Am 23. Juli 2024 ist die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Water Research“ erschienen.

Eine Mitgliedsfirma des IKW hat daraufhin die Annahme von Professorin Huhns Arbeitsgruppe über­prüft, indem sie mit einem eigenen Testprogramm die Experimente dieser Arbeitsgruppe auf Basis der damals verfügbaren Informationen nachgestellt hat. Dabei wurde DTPMP mit Klärschlamm zu­sammengeführt. Hierbei konnte in keiner Probe die Bildung von Glyphosat nachgewiesen werden.

Am 18. bzw. 19. März 2025 berichteten die Zeitschrift „Spektrum der Wissenschaft“ [3] und der Deutschlandfunk [4] erneut über das Forschungsprojekt der Universität Tübingen, da die Arbeits­gruppe neue Daten publiziert hat. Im Radiobeitrag sagt Professorin Dr. Carolin Huhn:

„Wir haben tatsächlich die Möglichkeit der Bildung [von Glyphosat aus dem Phosphonat DTPMP] ein­deutig nachgewiesen. Wir haben jetzt nur ein kleines Experiment im Labor gemacht. Das heißt, wir müssen noch die Dynamik nachbilden, die in der Kläranlage wirklich stattfindet. So weit sind wir noch nicht. Aber dass es sich dort bilden kann, unter Bedingungen wie sie in der Kläranlage vorkommen, das haben wir sicher gezeigt. Und aus anderen Studien – auch eigenen Arbeiten – jetzt wissen wir si­cher, dass DTPMP auch die Kläranlagen erreicht.“

Es ist der Arbeitsgruppe damit gelungen, mit aufwendiger Analytik die Bildung von geringsten Men­gen Glyphosat aus DTPMP nachzuweisen. Die gezeigten Umwandlungen in Experimenten mit Man­ganoxiden als auch mit Klärschlamm sind allerdings gering. Die Modellrechnungen von Frau Professo­rin Huhn kommen zu theoretischen Umweltkonzentrationen, die deutlich unter den in Oberflächen­gewässern gemessenen Werten im Mikrospurenbereich liegen. Demzufolge ist davon auszugehen, dass die Umsetzung von DTPMP zu Glyphosat nur einen sehr geringen Beitrag zu den gemessenen Glyphosatmengen in Oberflächengewässern hat.

Professorin Dr. Marion Martienssen von der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg forscht seit mehreren Jahren zum Abbau von Phosphonaten in der Natur. Auch ihr liegen keine Belege vor, dass aus DTPMP in Kläranlagen Glyphosat in signifikanten Mengen entstehen kann.

Auch Professorin Dr. Caroline Huhn sagt im Radiobeitrag selbst: „Die größte Frage ist, können wir das Ganze quantitativ auch erklären“ und „Die Mengen müssen wir noch erklären.“ Auch im Artikel von „Spektrum der Wissenschaft“ heißt es: „Wie viel Glyphosat sich jährlich in deutschen Kläranlagen aus DTPMP und womöglich anderen Aminopolyphosphonaten bildet, hat Huhns Team anhand der Experi­mente versucht abzuschätzen. Für eine umfassende Betrachtung fehlten jedoch noch weitere Unter­suchungen, gibt die Wissenschaftlerin zu bedenken.“

Generell werden Oberflächengewässer in der EU und den USA seit Jahrzehnten überwacht und auch auf Konzentrationen von Glyphosat überprüft. Dabei zeigt sich, dass die Konzentrationen an Gly­phosat nicht steigen und keine Bedenken für die Umwelt bestehen, da die Messwerte weit unter dem Grenzwert für mögliche negative Auswirkungen auf die Umwelt liegen.

Der IKW verfolgt die Veröffentlichungen und Berichterstattungen genau und wird diese Stellung­nahme aktualisieren, wenn neue Erkenntnisse vorliegen.

 

Hintergrundinformation zu Phosphonaten wie DTPMP:

Phosphonate werden in Wasch- und Reinigungsmitteln als Stabilisatoren für Enzyme und Bleichmittel sowie als Wasserenthärter eingesetzt. Sie tragen zu einer verbesserten Waschleistung und Wirkung gegen Flecken schon bei niedrigen Temperaturen bei. Im Jahr 2024 wurden von den IKW-Mitgliedsfirmen weniger als 710 Tonnen DTPMP eingesetzt.


Die Stellungnahme kann hier als PDF-Datei abgerufen werden und steht auch in englischer Sprache bereit.


Stand: 13. Juni 2025
 

[1]„Glyphosat entsteht womöglich aus Waschmittel“

[2]„Woher das Glyphosat in den Flüssen stammt“

[3] Kläranlagen wandeln Waschmittelzusätze in Glyphosat um - Spektrum der Wissenschaft

[4] Wie Waschmittel zur Entstehung von Glyphosat beitragen

 

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