Mikroplastik in Kosmetik

Bei Mikroplastik unterscheidet man zwischen primärem und sekundärem Mikroplastik. Während sekundäres Mikroplastik durch die Fragmentierung, also den Zerfall, größerer Plastikstücke entsteht, wird primäres Mikroplastik bei der Herstellung Produkten bewusst hinzugefügt. Laut einer Studie für das Umweltbundesamt ist die mengenmäßig bedeutsamste Quelle für Mikroplastik im Meer sekundäres Mikroplastik.

Die europäische Chemikalienagentur ECHA definiert Mikroplastik im Wesentlichen als synthetische Polymere in Partikelform, die eine Größe zwischen einem Nanometer und 5 Millimeter haben. Hierzu zählen auch Fasern in einer Länge zwischen 3 Nanometern und 15 Millimetern.

Als Microbeads werden Mikrokunststoffpartikel bezeichnet, die speziell in Peeling- oder Reinigungsprodukten aufgrund ihres abrasiven Peeling- oder Reinigungseffekts eingesetzt werden.

Die Kosmetikhersteller haben im Rahmen des freiwilligen Ausstiegs diese Peeling-Partikel fast vollständig durch alternative Stoffe in ihren Produkten ersetzt.

Mikrokunststoffpartikel werden in kosmetischen Produkten zu unterschiedlichen Zwecken eingesetzt. So werden beziehungsweise wurden sie zum Beispiel in manchen Produkten zur Körper- oder Gesichtsreinigung verwendet, wenn das Produkt einen speziellen Peeling-Effekt aufweisen soll. Im gewerblichen Bereich wurden Mikrokunststoffpartikel in Hautreinigungsprodukten zur Entfernung starker Verschmutzungen verwendet. In der Vergangenheit kamen sie auch in wenigen speziellen Zahnpasten zur Anwendung.

In abwaschbaren Produkten wie beispielsweise Duschgels oder Shampoos werden sie teilweise als Trübungsmittel, sogenannte Opacifier, verwendet. Sie verleihen den Produkten eine cremige Textur. In Produkten, die auf der Haut oder dem Haar verbleiben (Leave-on-Produkten), tragen sie beispielsweise ganz maßgeblich dazu bei, dass Puder gut auf der Haut haftet. Bei vielen weiteren Produkten wie zum Beispiel einer Foundation vermitteln sie nach der Anwendung ein angenehmes und samtiges Hautgefühl.

Es gibt heute bereits eine Reihe von alternativen Stoffen, um Mikrokunststoffe auszutauschen. So werden Peeling-Partikel beispielsweise durch Walnussschalen und andere Fruchtschalen sowie Wachse, Zellulose oder mineralische Stoffe ersetzt.

Für andere Mikroplastik-Inhaltsstoffe – insbesondere in den Produktkategorien Make-up, Lippen- und Nagelprodukte – gibt es gegenwärtig jedoch nur in Einzelfällen alternative Lösungen.

Feste Mikrokunststoffpartikel unterscheiden sich von gelösten Polymeren sowohl durch Größe und Form als auch durch ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften. Gelöste Polymere übernehmen beispielsweise in Haarstyling- und Make-up-Produkten wichtige Funktionen. So wäre ein effektiver Hitzeschutz beim Haarstyling oder eine gute Abdeckungswirkung bei Make-ups ohne diese Polymerverbindungen nicht möglich. Anders als feste Kunststoffpartikel tragen sie nicht signifikant zu einer Verschmutzung der Meere bei. Nach anerkannter Expertenmeinung sind gelöste Polymere in ihrer umweltrelevanten Form nicht toxisch und werden zudem überwiegend in Kläranlagen herausgefiltert.

Kosmetische Produkte spielen – anders als in der Öffentlichkeit oft dargestellt – bei der Verschmutzung der Meere mit Mikroplastik eine untergeordnete Rolle, wie eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik zum Thema Kunststoffe in der Umwelt belegt. Wissenschaftliche Schätzungen gehen von einem geringen mengenmäßigen Anteil zwischen 0,1 und 1,5 Prozent an Mikroplastik aus kosmetischen Produkten am Gesamteintrag in die Nordsee aus.

Nein. Mikrokunststoffpartikel in kosmetischen Produkten stellen keine Gefährdung der Gesundheit des Menschen dar. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sagt in seiner aktuellen Mitteilung ausdrücklich, dass „ein gesundheitliches Risiko durch dermale oder unbeabsichtigte orale Aufnahme über Peelings oder Duschgele aus Sicht des BfR unwahrscheinlich“ ist. Und Auch die Experten der EFSA sehen bisher keine Belege dafür, dass eine unbeabsichtigte Aufnahme von Mikroplastik über die Nahrung gesundheitsgefährdend ist. Die WHO (World Health Organization – Weltgesundheitsorganisation) kommt in einem aktuellen Bericht darüber hinaus zu dem Schluss, dass es nach heutigem Wissensstand keine Hinweise auf ein Gesundheitsrisiko durch Mikroplastik im Trinkwasser gibt.

Und auch einen Beleg, dass die in Nahrungsmitteln gefundenen Partikel aus kosmetischen Produkten stammen, gibt es nicht. Der mengenmäßige Anteil von festen Kunststoffpartikeln aus Kosmetika am Gesamteintrag in die Nordsee ist gegenüber anderen vorhandenen Kunststoffmaterialien sehr gering. Wissenschaftliche Schätzungen, die vor dem Beginn des Austausches vorgenommen wurden, gehen von einem Anteil zwischen 0,1 und 1,5 Prozent aus. Es ist daher unwahrscheinlich, dass die in einigen wenigen Lebensmitteln gefundenen Partikel aus kosmetischen Produkten stammen. So zeigen auch Untersuchungen wie beispielsweise der Länderbericht „Mikroplastik in Binnengewässern Süd- und Westdeutschlands“, dass es sich bei den in Wasserproben gefundenen Kunststoffpartikeln hauptsächlich um „unregelmäßig geformte Partikel“, wie sie durch Fragmentierung entstehen, und Plastikfasern handelt. Plastikkügelchen, wie sie teilweise in kosmetischen Produkten eingesetzt werden, wurden weniger nachgewiesen.

Dies ist für Verbraucher zugegebenermaßen nicht einfach. Anhand der Inhaltsstoffliste lässt sich nicht ablesen, ob die Stoffe in Form von Partikeln vorliegen und es sich somit um Mikroplastik handelt. Die von einigen Einkaufsratgebern als Hinweis auf Mikroplastik genannten Stoffverbindungen sind häufig kein Mikroplastik. Es handelt sich hierbei vielfach um synthetische Polymerverbindungen, die jedoch in gelöster Form vorliegen und somit kein Mikroplastik darstellen.

Am 30. Januar 2019 hat die ECHA in einer Mitteilung bezüglich bewusst zugefügter Mikrokunststoffpartikel eine Reihe von Beschränkungen empfohlen. Diese Beschränkungen umfassen neben Peeling-Partikeln (Microbeads) auch Wachse und Trübungsmittel, sogenannte Opacifier, in abwaschbaren Produkten. Darüber hinaus empfiehlt die ECHA eine Beschränkung fester Kunststoffpartikel in Leave-on-Produkten – das sind Produkte, die auf der Haut oder dem Haar verbleiben. Natürliche Polymere sind aufgrund ihrer biologischen Abbaubarkeit von den Beschränkungen ausgenommen.

Die Beschränkungen sollen zeitlich gestaffelt umgesetzt werden. So gelten sie voraussichtlich ab 2022 für Microbeads, ab 2026 für Wachse und Trübungsmittel, sofern diese als Mikrokunststoffe in kosmetischen Produkten vorliegen, und ab 2028 für feste Kunststoffpartikel in Leave-on-Produkten.

Die Kosmetikhersteller in Deutschland sind sehr aktiv und haben frühzeitig auf freiwilliger Basis begonnen, Mikroplastik in abzuspülenden kosmetischen Reinigungsprodukten durch alternative Lösungen zu ersetzen. Die im Rahmen des vom Bundesumweltministerium mitinitiierten „Kosmetikdialogs“ gemachte Zusage, die Menge an festen, nicht abbaubaren Kunststoffpartikeln, die in abzuspülenden kosmetischen Produkten aufgrund ihres Reinigungs- und Peeling-Effekts eingesetzt werden, bis 2020 zu ersetzen, ist heute laut einer aktuellen Umfrage unter den europäischen Kosmetikherstellern durch Cosmetics Europe bereits zu 97 Prozent umgesetzt.

Die Kosmetikhersteller hatten sich beim Austausch von Mikroplastik zunächst auf die Stoffklasse der Peeling-Partikel konzentriert, da diese den mengenmäßig größten Anteil an Kunststoffpartikeln in abwaschbaren kosmetischen Produkten ausmachten.

Leave-on-Produkte waren bisher in den Ausstiegsplänen der Kosmetikhersteller nicht enthalten, da sich die wissenschaftliche Kritik an Mikroplastik vorrangig auf feste Kunststoffpartikel bezieht, die durch Abspülen ins Abwasser gelangen können, wie es beispielsweise bei abwaschbaren Peeling-Produkten der Fall ist. Leave-on-Produkte werden typischerweise nicht abgewaschen, sondern durch Abschminken über den Hausmüll entsorgt. Kunststoffpartikel aus Leave-on-Produkten gelangen in der Regel also nicht ins Abwasser.