Schön, schöner, am schönsten!

Auf Insta ist jeder ganz besonders. Gemocht und gelikt zu werden, ist zentral. Warum das so ist, erfahren Sie hier.

Jugendliche brauchen Abgrenzung – insbesondere von den Eltern. Das ist in der heutigen Zeit jedoch nicht so einfach, da jung gebliebene Mütter und Väter in vielen Lebensbereichen den Jugendlichen nur wenig Reibungsfläche bieten. Bei Musik, Kleidungsstil und Frisur liegt man häufig auf ähnlicher Wellenlänge und selbst auf Facebook ist man „befreundet“. Instagram gilt den Jugendlichen hingegen als deutliche Abgrenzung gegenüber den Eltern. Hier sind sie noch weitgehend unter sich und müssen nicht befürchten, dass jedes Bild auch von den Eltern gesehen, gelikt und geteilt wird.

Die Anzahl der Follower ist entscheidend

Umso wichtiger ist den Jungen und Mädchen das Feedback ihrer Freunde auf Instagram. Möglichst viele sollen die eigenen Posts mit Herzchen, Smileys und netten Kommentaren versehen – am besten in Superlativen. Follower, Likes und Kommentare müssen darüber hinaus über die Zeit gesteigert werden. Denn Reichweiten und die Anzahl der Follower sind die neue Währung für das eigene Selbstwertgefühl und sorgen für Bestätigung. Über 67 Prozent der Studienteilnehmer der aktuellen IKW-Jugendstudie „Insta ungeschminkt“ geben an, mehr als 100 Follower zu haben. Über 36 Prozent haben mehr als 200 Follower und mehr als 6 Prozent der Jungen und Mädchen haben sogar 1.000 und mehr Abonnenten.

Insbesondere die Jungen sehen in dieser Reichweite ein neues Statussymbol – und auch ein Symbol ihrer Potenz: „Das ist ein Statussymbol. Man ist mächtiger, angesagter. Der Beliebtheitsgrad steigt und die Sympathiepunkte erhöhen sich.“ Ein anderer Studienteilnehmer sagt: „Es geht um Reichweite, wen man erreicht, bis wo man reicht.“ Und natürlich spielt auch der Flirtfaktor eine große Rolle: „1.500 Follower machen attraktiver zum Flirten, man fällt dadurch auf.“

Narzisstische Verbesonderung

Jeder fühlt sich auf Instagram besonders und empfindet es als normal, mehr Abonnenten zu haben, als man selbst abonniert hat. Die jungen Männer erklären sich das mit ihrem interessanten Lebensstil. „Ich habe so 2.000 Follower, aber ich folge nur so 150 – die Leute interessieren sich halt für mich“, ist eine der typischen Antworten. Weitere Antworten sind beispielsweise Weil ich wohl interessanter bin als andere“ oder „Ich glaube, ich erlebe einfach mehr als andere“. Die Mädchen glauben hingegen, dass andere ihnen folgen, weil sie viel Positives und Schönes in die Welt setzen. Bei ihnen dreht sich fast alles um ihr Äußeres und um ihren Style. Make-up ist essenziell. Die Verwendung besonderer Produkte und neuester Techniken unterstützt sie bei ihrem Vorhaben, ganz besonders zu wirken. Dabei halten sie den Aufwand, den sie für ein Bild betreiben, für selbstverständlich. Bereits in der vorangegangenen Studie „Selfies ungeschminkt“ zeigte sich, dass der zeitliche Aufwand für ein gelungenes Selfie sehr hoch sein kann. 50 bis 100 Selfie-Versuche sind keine Seltenheit. Das hierdurch erlangte Gefühl von Sicherheit und Kontrolle ist für die jungen Menschen unbezahlbar.

Hinzu kommt: Auf Instagram gibt es eine klare Zeige- und Schaulust – sowohl bei den Jungen als auch bei den Mädchen. Die Studienteilnehmer geben an, dass das Teilen von Inhalten nur Spaß macht, wenn diese Inhalte auch gesehen werden. 24 Prozent der Mädchen und 22 Prozent der Jungen sagen, dass es für sie ein besonderer Anreiz ist, wenn viele Leute auf Instagram ihre Posts anschauen. „Ich zeige ja nichts, was nicht jeder sehen darf – im Bikini kann mich ja auch jeder am Strand sehen“, sagt beispielsweise ein Mädchen und ein Junge gibt zu: „Ich gucke mir das gern an, die Mädchen stellen sich da zur Schau.“ Voraussetzung ist hierbei, dass die Bilder schön und perfekt inszeniert sind. Denn ein schön anzuschauendes Bild erhöht die Chancen, gesehen zu werden und somit Aufmerksamkeit und Anerkennung zu erhalten. Und hierfür ist Schminken und das richtige Make-up für die Mädchen sehr wichtig. Erst mit einem perfekten Make-up kann der öffentlichen Zeige-Lust richtig nachgegangen werden. Zusammen mit standardisierten Posen, bestimmten Kopfhaltungen und dem verträumten Spielen der Haare inszenieren sich die Mädchen eine heile Welt, an der sie andere gern teilhaben lassen.