No Limits! Ob in der Freizeit, unterwegs oder in der Schule – Instagram ist der ständige Begleiter der Jugendlichen. Hier schauen und entspannen sie oder hängen einfach nur ab. Zeitliche Limits? Fehlanzeige.

Unabhängig davon, wo sich Jugendliche gerade befinden – ihr Smartphone ist immer dabei. Viele Stunden des Tages verbringen sie damit, auf Instagram ihren Freunden und Lieblingsinfluencern zu folgen. Mehr als 60 Prozent der Jugendlichen geben in der aktuellen Jugendstudie „Insta ungeschminkt“ an, bis zu vier Stunden am Tag auf Instagram oder am Bildschirm zu verbringen. Manche sogar noch sehr viel länger. „Man weiß nicht, was man sonst machen soll. Ich bin auch oft am Handy und mache eigentlich nichts“, sagt beispielsweise ein Jugendlicher. Zeitliche Limits scheint es für die meisten nicht zu geben. Wenn sie von Limits sprechen, bedeutet das bei über 60 Prozent der Jungen und Mädchen, dass ihre Eltern ihnen erlauben, bis zu 4 Stunden täglich ihr Handy, Tablet oder Computer zu nutzen. Einige beschreiben sich direkt als süchtig: „Klar bin ich süchtig, aber was soll’s? Machen doch alle.“

Konzentration fällt schwer

Im Laufe des Tages schauen die Jugendlichen immer wieder auf ihr Smartphone. Die Angst etwas Wichtiges zu verpassen, ist einfach zu groß. Da viele der Jungen und Mädchen unzähligen Personen auf Instagram folgen, ist die Flut an Bildern, die sie geschickt bekommen, riesig. Ein Drittel der Jugendlichen folgt bis zu 100 Personen. Fast ein Viertel der Befragten geben an, bis zu 200 Accounts abonniert zu haben. Um sich regelmäßig einen Überblick zu verschaffen, wer gerade irgendwo mit wem abhängt, ist es geradezu ein Muss, regelmäßig seinen Insta-Account „zu checken“. Und so befindet sich ihr Handy immer griffbereit in der Nähe. Viele legen es gar nicht mehr aus der Hand. Über 74 Prozent der Befragten geben an, bis zu 20 Mal täglich auf Instagram zu sein. Bei den Mädchen ist der Wunsch, immer up-to-date zu sein, ausgeprägter als bei den Jungen.

 Wer jedoch immer wieder auf sein Handy schaut, kann sich nur schwer mit Dingen oder Themen befassen, die eine längere Konzentrationsphase voraussetzen, wie zum Beispiel ein intensives Gespräch führen oder ein Buch lesen. Die Mehrzahl der befragten Jugendlichen gibt zu, im letzten Jahr weniger als drei Bücher gelesen zu haben. 28 Prozent haben sogar nur eins oder gar keins gelesen. Und auch in der Schule sind viele der Jugendlichen am Handy. 35 Prozent der Schüler sind täglich während der Schulzeit online. „Also ich bin acht bis neun Stunden am Tag auf Insta, auch während der Schule, da am meisten,“ ist beispielsweise eine Aussagen eines Studienteilnehmers.

Ein Leben ohne Instagram?

Die Vorstellung, dauerhaft ohne Handy oder einen Bildschirm zu sein, ist für viele der in der Studie befragten Jungen und Mädchen dementsprechend beängstigend. Nicht nur, weil sie sich dann nicht mehr in ihre Traumweltwelten zurückziehen und einfach nur abhängen könnten. Ihre größte Sorge ist vielmehr, dass sie ins Nachdenken geraten könnten. So sagt ein Jugendlicher, dass er während der Bahnfahrten immer auf Instagram sei: „Da vermeidet man nachzudenken und lenkt sich lieber mit Instagram ab.“ So umgehen die Jungen und Mädchen die Auseinandersetzung mit sich selbst oder Themen, die möglicherweise kompliziert sind und die sie nicht kontrollieren können.

Was steckt dahinter? In den vorangegangen Jugendstudien „Jugend ungeschminkt“ und „Selfies ungeschminkt“ zeigten die Ergebnisse, dass die Jugendlichen durch ihre Umwelt stark verunsichert sind. Familiäre Probleme, gesellschaftliche Umbrüche und die Veränderungen des Körpers in der Pubertät geben den Jugendlichen das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben verloren zu haben. Sie suchen sich daher Strategien, die Kontrolle über ihr Leben zurückzugewinnen. Die Flucht in Traumwelten, wie sie Instagram bietet, ermöglicht es den Jugendlichen, die unkontrollierbare Gegenwart für eine Weile auszublenden. Gleichzeitig bietet Instagram ihnen die Möglichkeit, sich so zu inszenieren, wie sie gerne gesehen werden möchten – und damit wieder die Kontrolle über sich und ihr Leben zu gewinnen.