Die Wissenschaft hinter dem kosmetischen Sonnenschutz

Warum ist Sonnenlicht für uns Menschen so wichtig?

Die Evolution des Lebens auf der Erde wurde und wird durch das Licht der Sonne bestimmt. Alle Lebewesen hängen vom Sonnenlicht ab: Pflanzen benötigen Sonnenenergie zur Photosynthese und produzieren u. a. Glucose und Kohlenhydrate, welche für die Ernährung von Mensch und Tier essenziell sind. Ganz besonders wichtig: Sie erzeugen den Sauerstoff zum Atmen. Das von den Lebewesen ausgeatmete Kohlenstoffdioxid (CO2) wird von den Pflanzen wieder aufgenommen und schließt den von der Sonne angetriebenen Kreislauf. Ohne Sonne gibt es kein Leben auf der Erde.

Der Mensch braucht das Licht aber nicht nur zum Atmen, sondern er braucht es auch, um zu sehen. Die für uns sichtbaren Wellenlängen reichen von ca. 400 bis 800 Nanometern (nm), das bedeutet von Violett über Blau und Grün bis hin zu Gelb und Rot. Daneben spielt das Tageslicht auch eine wichtige Rolle für Zeitgefühl, Psyche und Denkvermögen des Menschen und es sorgt für die Produktion lebenswichtiger Vitamine.

Welches sind die positiven Folgen der Sonnenstrahlen?

Sonnenschein wirkt sich insgesamt sehr positiv auf die Stimmung aus. Die Konzentration des „Glückshormons“ Serotonin in unserem Körper ist im Sommer höher als in den dunkleren Jahreszeiten wie Herbst oder Winter. Weniger Schlafhormon Melatonin wirkt sich positiv auf das Sexualleben aus. Höhere Temperaturen im Sommer erhöhen außerdem die Durchblutung. Wohl dosiertes Sonnenlicht kann sogar den Blutdruck sowie das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall senken.

Vitamin D: Unter Einwirkung der UV-Strahlung des Sonnenlichts wird die Vitamin-D-Bildung in der Haut angeregt. Vitamin D dient dazu, Kalzium aus der Nahrung durch die Darmwand ins Blut zu transportieren. Das ist wichtig, denn Kalzium stärkt die Knochen und ist auch für das reibungslose Funktionieren von Muskeln und Nerven unerlässlich. Das mit Hilfe der UV-Strahlung gebildete Vitamin D gilt auch als Schutzstoff vor Zuckerkrankheit, Osteoporose und dem Metabolischen Syndrom. Einige wissenschaftliche Studien unterstützen sogar einen möglichen Schutzeffekt gegen Krebs. Um genügend Vitamin D zu produzieren, reichen 10 Minuten Sonne pro Tag vollkommen aus. Kleinere Mengen Vitamin D aus Nahrungsmitteln erhält man auch über den Verzehr von fettreichen Fischarten, Lebertran, Kalbfleisch und Eigelb.

Rheuma: Menschen mit rheumatischen Erkrankungen berichten, dass es ihnen bei trockenem und warmem Wetter am besten geht. Offensichtlich senkt Sonnenlicht das Risiko für rheumatoide Arthritis.

Multiple Sklerose: Natürliche UV-Strahlung senkt das Risiko von Schüben der Multiplen Sklerose. Positive Effekte zeigen sich auch bei Schuppenflechte.

Eigenschutz der Haut (Lichtschwiele und Pigmentierung): Die nach UV-Bestrahlung in der Haut entstehende natürlich Bräune (Pigmentierung durch hauteigenes Melanin) ist wesentlicher Bestandteil des Eigenschutzes der Haut. Das von Hautzellen, den sogenannten Melanozyten, gebildete Melanin schützt die Zellkerne vor weiteren UV-Schäden. Die Ausbildung dieses Schutzes dauert allerdings einige Tage bis Wochen. Daneben verdickt sich die oberste Hornschicht der Haut als Folge der Bestrahlung, was auch als Lichtschwiele bezeichnet wird. Sie streut und reflektiert das einfallende Licht und verlängert über die Verdickung den Weg der Strahlung durch die Haut.

Von Menschen wird die Bräunung der Haut heute eher als positiv empfunden. Sie gilt als Zeichen der Gesundheit und entspricht dem gängigen westlichen Schönheitsideal. Das gilt allerdings nur regional, überwiegend in westlichen Ländern und erst seit dem 20. Jahrhundert. Zuvor war gebräunte Haut Merkmal der Landarbeiter. Der Adel zeigte daher „die vornehme Blässe“ als Zeichen der Herkunft. Biologisch gesehen ist die Hautbräune eine evolutionäre Anpassungsreaktion. Sie erlaubte den Menschen in den vergangenen Jahrtausenden die klimatische Anpassung bei den weltweiten Wanderbewegungen von Afrika nach Norden und Osten.

Und was ist für den Menschen schädlich an Sonnenlicht?

Sonne auf der Haut fühlt sich gut an, aber zu viel Sonne schadet. Hautschäden wie Sonnenbrand, Keratosen und einige Hautkrebserkrankungen sowie ein erheblicher Teil der Hautalterung – die sogenannte lichtbedingte Hautalterung – werden durch die UVA- und UVB-Strahlung des Sonnenlichtes ausgelöst oder gefördert. Da man als Mensch UV-Strahlung weder sehen noch spüren kann, ist ein angemessener Umgang mit der Sonne ganz entscheidend. Hitzschlag und Sonnenstich sind ebenfalls Folgen übermäßiger Sonnenbestrahlung. Hier prognostizieren einige Forscher eine Zunahme der Fälle wegen einem erhöhten Risiko von Hitzewellen. In diesem Zusammenhang sind auch mehr schlaflose Nächte und die Einwanderung von Krankheitsüberträgern zu erwarten.

Erythem/Erythema Solare/Dermatitis Solaris/Sonnenbrand: Erythem ist ein dermatologischer Ausdruck für eine Hautrötung bedingt durch eine vermehrte Durchblutung aufgrund einer Gefäßerweiterung. Der Sonnenbrand, oder auch UV-Erythem, Erythema Solare, Dermatitis Solaris, ähnelt einer Verbrennung der Haut und wird durch UV-Strahlung der Sonne oder andere Strahlungsquellen verursacht. Dabei kommt es innerhalb von 1 bis 6 Stunden nach der Bestrahlung zu scharf begrenzter Rötung, Hitzegefühl, Juckreiz, Schmerzen, gelegentlich Blasenbildung und Ödemen der bestrahlten Haut. Die Symptome erreichen ihr Maximum nach 12 bis 24 Stunden und bilden sich innerhalb von drei bis sieben Tagen, ggf. mit Abschuppung, zurück. Sonnenbrand ist zwar eine akute Hautschädigung, hat aber durchaus chronische Relevanz. Häufigere Sonnenbrände, insbesondere in der Kindheit, erhöhen das Hautkrebsrisiko.

Sonnenallergie/polymorphe Lichtdermatose/Photodermatosen: Unter Sonnenexposition kommt es gelegentlich zu Unverträglichkeitsreaktionen (Photodermatosen), welche umgangssprachlich meist als Sonnenallergie bezeichnet werden. Eine besonders häufige Form der Sonnenallergie ist die Polymorphe Lichtdermatose. Die durch UV-Strahlung ausgelösten Hautreaktionen, die auch ohne das Auftragen von Sonnenschutzmitteln entstehen können, treten meist nach der ersten Sonnenbestrahlung besonders intensiv auf und werden im Laufe des Sommers durch Sonnengewöhnung immer schwächer. Die Haut zeigt Rötungen, Bläschen, Knötchen oder nässende Bereiche. Meist sind die Reaktionen von Hautjucken begleitet.

Hautkrebs/malignes Melanom/schwarzer Hautkrebs: Eine schwerwiegende Folge übermäßiger Sonnenexposition ist die Bildung von Hautkrebs. Das Deutsche Krebsforschungszentrum sieht als wesentlichen Umweltrisikofaktor die exzessive Sonnenlicht-Exposition. Daneben spielt auch der Hauttyp eine entscheidende Rolle. Rothaarige, die eine gegenüber UV-Strahlung besonders empfindliche Haut haben, erkranken statistisch gesehen wesentlich häufiger an einem malignen Melanom als Schwarzhaarige.

Man unterscheidet hierbei zwischen dem Melanom und Nicht-Melanom-Hautkrebsarten. Zu den letzteren gehören Plattenepithelkarzinome und Basalzellkarzinome, auch Basaliome genannt. Sie betreffen oft Menschen mit jahrelangem, ausdauerndem Sonnenkontakt. Betroffene Hautpartien sind häufig das Gesicht und die Hände.

Anders als die Nicht-Melanom-Hautkrebsarten ist das maligne Melanom – Melanom, schwarzer Hautkrebs – ein hochgradig bösartiger Tumor der Pigmentzellen, der sogenannten Melanozyten. Er ist die am häufigsten tödlich verlaufende Hautkrankheit mit weltweit stark steigender Anzahl an Neuerkrankungen.

Hitzschlag, Sonnenstich: Wird der Organismus überlastet, kann es zum Sonnenstich, einer Reizung der Hirnhaut, oder zum Hitzschlag, einem Wärmestau im Körper, kommen. Es treten Symptome auf wie Kopfschmerzen, Schwindel, Schlappheit, Krämpfe oder trockener Mund. Es ist daher wichtig, etwa zwei bis drei Liter Wasser oder verdünnte Säfte pro Tag zu trinken. Kopfbedeckung und Sonnenschutzmittel sollten daher in der Sonne ebenfalls obligatorisch sein.

Was passiert in der Haut unter Sonnenbestrahlung?

Unter UV-Bestrahlung bilden sich in der Haut reaktive Sauerstoffverbindungen (Reactive Oxygen Species = ROS). Diese spielen eine wichtige Rolle als auslösende oder verstärkende Faktoren für zahlreiche biochemische Prozesse, wie sie zum Beispiel bei Sonnenbrand, Hautalterung und sehr wahrscheinlich auch bei Hautkrebs ablaufen. Biologische Systeme enthalten deshalb antioxidativ wirkende Substanzen wie Radikalfänger, reduzierende Stoffe, Enzyme oder Chelat-Bildner, die den sogenannten oxidativen Stress kontrollieren. Diese hauteigenen Schutzsysteme sind bei hoher Belastung jedoch überfordert, können aber durch äußere Anwendung von Antioxidantien wie Vitamin E, Vitamin C und Coenzym Q10 unterstützt werden. Sonnenschutzmittel bzw. die darin enthaltenen UV-Filter sind allerdings im Zusammenhang mit dem Eigenschutz die wirksamste Maßnahme, während Antioxidantien als Ergänzung dienen.

Welche UV-Strahlung gibt es, welche Auswirkungen haben die Strahlen auf die Haut und wann ist die Sonne besonders intensiv?

Sonnenstrahlung, Sonnenlicht oder Solarstrahlung ist die von der Sonne ausgesandte Strahlung. Abhängig von der Wellenlänge wird die Sonnenstrahlung von der Erdatmosphäre mehr oder weniger stark absorbiert. Die Intensität der UV-Strahlung an der Erdoberfläche hängt dabei im Wesentlichen vom Sonnenstand, das heißt vom Breitengrad und von der Jahres- sowie Tageszeit ab. Steht die Sonne im Zenit, also senkrecht über uns, herrscht die stärkste Strahlung des Tages. Auch im Schatten oder bei bedecktem Himmel trifft immer noch ein großer Teil des Sonnenlichts auf die Haut. Eine genaue Uhrzeit hierfür zu nennen, ist allerdings kaum möglich, da die höchste UV-Intensität innerhalb einer Zeitzone zu sehr unterschiedlichen Zeiten erreicht wird. So ist der Sonnenhöchststand in Neapel (Italien) beispielsweise um ca. 13:00 Uhr (Mitteleuropäische Sommerzeit) erreicht, während dies für Palma (Spanien) um ca.13:50 Uhr und für Sevilla (Spanien) um ca. 14:30 Uhr der Fall ist. Wegen dieser Komplexität finden sich häufig Empfehlungen, die Sonne im Sommer zwischen 11 und 16 Uhr zu meiden. Dieser eher breite Zeitrahmen soll die genannten Ortszeit-Unterschiede der Sonnenhöchststände weitgehend abdecken. Einfacher ist es, den sogenannten UV-Index zu verwenden. Für mehr Infos zum Thema „UV-Index“ siehe weiter unten.

Weitere Faktoren, die auf die Intensität Einfluss nehmen: Die Intensität der UV-Strahlung nimmt mit der Höhe über dem Meeresspiegel um etwa 10 bis 15 Prozent pro 1.000 Höhenmeter zu, da die dünner werdende Atmosphäre weniger UV-Strahlung absorbieren kann und damit weniger Schutz bietet. Im Hochgebirge kann daher die Sonnenstrahlung auch im Winter zum Sonnenbrand führen. Verstärkend wirken auf die Strahlenbelastung hierbei auch die Reflexion der UV-Strahlung durch Schnee. Den gleichen Effekt haben auch Wasser, weißer Sand und weiße Mauerflächen.

Wegen unterschiedlicher Auswirkungen auf den menschlichen Organismus hat man verschiedene UV-Bereiche (Ultraviolett-Bereiche) der Solarstrahlung definiert, wie beispielsweise:

UV-C:  200 bis 280 nm Wellenlänge

UV-B:  280 bis 320 nm Wellenlänge

UV-A:  320 bis 400 nm Wellenlänge

Andere Wellenlängen des Sonnenlichtes sind:

VIS:  400 bis 800 nm Wellenlänge (VIS = sichtbare Strahlung, sichtbares Licht)

IR:  > 800 nm Wellenlänge (IR = Infrarot-Strahlung, Infrarot-Licht)

Im Hinblick auf den Sonnenschutz sind insbesondere UV-A- und UV-B Strahlen bedeutsam. Denn eine UV-A- und UV-B-Bestrahlung der Haut kann sowohl zu akuten Schäden wie Sonnenbrand als auch zu chronischen Veränderungen wie zum Beispiel Hautalterung, Altersflecken oder Hautkrebs führen.

Da die UV-C-Strahlung in der Ozonschicht der Erde fast vollständig absorbiert wird, hat sie für den kosmetischen Sonnenschutz hingegen keine Bedeutung. Wie gefährlich diese Strahlung allerdings sein kann, zeigt die Tatsache, dass auch Corona-Viren durch UV-C-Strahlung effektiv eliminiert werden.

UV-Index

Der UV-Index (UVI) unterstützt Verbraucherinnen und Verbraucher bei der Wahl eines angemessenen kosmetischen Sonnenschutzes. Der heute schon häufig in Wettervorhersagen angegebene UV-Index ist ein international einheitlich festgelegtes Maß für die sonnenbrandwirksame UV-Strahlung des Sonnenlichtes. Je höher der UVI, desto höher ist auch das Sonnenbrandrisiko und dementsprechend sollte der Sonnenschutz gewählt werden. Der UVI ist weltweit verfügbar und eignet sich daher zur Einschätzung der lokalen Bestrahlungssituation von Urlaubsorten. Den verschiedenen UVI sind entsprechende Schutzmaßnahmen und Verhaltensregeln zugeordnet.

UV-Index

Gefährdung

Schutzmaßnahmen

0 – 2

keine bis gering

nicht erforderlich

3 – 5

mittel

sehr empfehlenswert

Hemd/T-Shirt/Bluse, Sonnencreme und Sonnenbrille schützen vor zu viel UV-Strahlung

6 – 7

hoch

erforderlich

Mittags den Schatten suchen. In der Sonne werden Hemd/T-Shirt/Bluse, Sonnencreme, Sonnenbrille und Kopfbedeckung benötigt

8 – 10

sehr hoch

unbedingt erforderlich

In der Mittagszeit den Aufenthalt im Freien vermeiden, aber auch im Schatten gehören ein sonnendichtes Oberteil, lange Hosen, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Sonnenbrille und ein breitkrempiger Hut zum sonnengerechten Verhalten.

Ab 11

extrem

sind ein Muss

In der Mittagszeit im Schutz eines Hauses bleiben und auch außerhalb dieser Zeit unbedingt Schatten suchen. Ein sonnendichtes Oberteil, lange Hosen, Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor, Sonnenbrille und ein breitkrempiger Hut sind auch im Schatten unerlässlich.

Wie funktionieren Sonnenschutzmittel? Welche Arten werden unterschieden?

Sonnenschutzmittel sollen die Haut vor den schädlichen Folgen der UV-Strahlung schützen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen UV-Filter eingesetzt werden. Dies sind entweder organische Stoffe, welche die UV-Strahlung des Sonnenlichts absorbieren, oder anorganische unlösliche Substanzen auf Basis von Pigmenten, die die UV-Strahlung teilweise reflektieren und absorbieren.

Alle UV-Filter unterliegen besonderen gesetzlichen Bestimmungen und werden in einer speziellen Anlage der europäischen Kosmetik-Gesetzgebung – EG-Kosmetik-Verordnung, Anhang VI – aufgeführt. Das bedeutet, dass nur die dort aufgeführten Substanzen unter den vorgegebenen Bedingungen, wie zum Beispiel Konzentration, Salzform, besondere Bedingungen, Warnhinweise in Sonnenschutzmitteln eingesetzt werden dürfen.

Welche UV-Filter sorgen in Sonnenschutzmitteln auf Basis von Mikropigmenten für den Schutz? Wie wirken sie?

Derzeit sind die UV-Filter Titandioxid und Zinkoxid als Pigmente oder Mikropigmente zugelassen. Die UV-Strahlung wird durch die Partikel reflektiert, gestreut und teils auch absorbiert. In einigen kosmetischen Sonnenschutzmitteln werden die Pigmente Titandioxid und Zinkoxid in Form von Nanopartikeln als sehr wirksame UV-Filter eingesetzt. Ihre Teilchengröße liegt im Nanometer-Bereich (1 mm = 1.000.000 nm). Zur Unterscheidung werden die Pigmente in der Deklaration der Inhaltsstoffe mit dem Zusatz „Nano“ versehen: TITANIUM DIOXIDE (NANO) und ZINC OXIDE (NANO).

Warum werden Mikropigmente in Nanoform verwendet?

Dadurch, dass ihre Partikelgröße in den Nanometerbereich verringert wurde, wird kaum noch sichtbares Licht reflektiert. Hierdurch erscheinen Sonnenschutzmittel mit Nanopigmenten nach dem Auftragen auf die Haut weitgehend transparent und der von den grobteiligen Pigmenten bekannte „Make-up-Effekt“ bleibt aus. Außerdem lassen sich Sonnencremes mit Mikropigmente in Nanoform leichter auf der Haut verteilen, da ihre Konsistenz deutlich weniger pastös ist. Das erleichtert nicht nur die Anwendung der Produkte. Insgesamt konnte so die Schutzwirkung gegen UV-Strahlung wesentlich verbessert werden.

Und welche Stoffe stehen bei den löslichen organischen UV-Filtern zur Verfügung? Wie wirken diese?

Lösliche, organische UV-Filter absorbieren Licht bestimmter Wellenlängen und verwandeln die Energie in Infrarotstrahlung. Sie geben also energieärmere, längerwellige Strahlung wieder ab. Um die gesamte Breite der relevanten Wellenlängen abzudecken, werden in der Regel verschiedene organische UV-Filter kombiniert. Die organischen UV-Filter können aber auch mit physikalischen, anorganischen Filtern kombiniert werden. Zurzeit stehen in der EU ca. 25 Stoffe als lösliche organische UV-Filter zur Verfügung.

Das hört sich nach viel Chemie an – wer kontrolliert, dass das gesundheitlich auch sicher ist?

Die UV-Filter sind die wesentlichen Wirkstoffe der kosmetischen Sonnenschutzmittel. Sie unterliegen strengen gesetzlichen Beschränkungen und werden nach Erteilung einer Zulassung in einer speziellen Anlage, der sogenannten „Positivliste“, der Europäischen Kosmetik-Gesetzgebung aufgeführt. Es dürfen ausschließlich die ca. 30 in dieser Anlage genannten UV-Filter für Sonnenschutzmittel verwendet werden. Bedingt durch die hohen Anforderungen an die Sicherheit der Substanzen und den äußerst aufwendigen Zulassungsprozess sind neue UV-Filter eher selten. Zu den meisten zugelassenen UV-Filtern gibt es daher eine langjährige Anwendungshistorie und entsprechend auch umfangreiche Daten zur Verträglichkeit in der praktischen Anwendung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt im Dezember 2019 hierzu: Nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft sind gesundheitliche Beeinträchtigungen bei Sonnenschutzmitteln, die in der Europäischen Union erhältlich sind, nicht zu erwarten.

Wirken alle UV-Filter gleichermaßen gegen UV-A- und UV-B-Strahlen? Oder werden Kombinationen benötigt?

Sonnenschutzmittel enthalten üblicherweise Kombinationen von mehreren UV-Filtern. Durch die Kombination lässt sich eine größere Bandbreite an Absorptions- bzw. Reflektionseigenschaften und damit ein wirksamerer UV-A-, UV-B- und ggf. ein IR-Schutz erzielen.

Können Sonnenschutzmittel auf Basis von mineralischen UV-Filtern auch einen LSF 50 erreichen?

Ja, es gibt Sonnenschutzprodukte auf der Basis von Titandioxid bzw. Zinkoxid, die einen Lichtschutzfaktor 50 ohne andere UV-Filter erreichen können. Allerdings ergeben sich im Hinblick auf die oben genannten Eigenschaften enge Grenzen. Daher bilden solche Produkte eher die Ausnahme oder werden im medizinischen Bereich für Spezialfälle verwendet.

Was bedeutet der Lichtschutzfaktor?

Im Prinzip gibt der Lichtschutzfaktor (LSF, SPF) an, wievielmal länger man sich mit einem Sonnenschutzmittel geschützt im Vergleich zur ungeschützten Haut der Sonne aussetzen kann, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen.

Der Lichtschutzfaktor (LSF) gibt die Wirksamkeit des Sonnenschutzproduktes an: Ein hoher LSF steht für eine starke Schutzwirkung gegen UV-B-Strahlung, ein niedriger LSF für einen entsprechend geringeren Schutz. Das bedeutet, dass der LSF insbesondere die Schutzwirkung eines Produktes gegen Sonnenbrand angibt. Zum Schutz vor anderen lichtbedingten Hautschäden müssen Sonnenschutzmittel ebenfalls vor UV-A-Strahlung schützen. In Europa gelten festgelegte Kriterien zur Mindestwirksamkeit von Sonnenschutzmitteln gegenüber UV-B- und UV-A-Strahlung. Der Lichtschutzfaktor eines Sonnenschutzmittels soll mindestens 6 betragen. Der UV-A-Schutzfaktor muss mindestens ein Drittel des Lichtschutzfaktors betragen. Die Einhaltung des geforderten UV-A-Schutzes wird auf den Packungen durch ein Symbol angezeigt:

 

Zur besseren Orientierung für den Verbraucher werden die Lichtschutzfaktoren vier Schutzklassen zugeordnet: Basis, mittel, hoch, sehr hoch. Der Lichtschutzfaktor und die Schutzklasse sind immer auf den Packungen angegeben.

Empfehlung EU-Kommission

Produktkategorie

(Schutzklasse)

Lichtschutzfaktor

(Packungsangabe)

Basis

6, 10

Mittel

15, 20, 25

Hoch

30, 50

Sehr hoch

50+

 

Wie wird der Lichtschutzfaktor im Labor bestimmt?

Der Lichtschutzfaktor (LSF) beziehungsweise Sun Protection Factor (SPF) dient zur Beurteilung der Schutzleistung von Lichtschutzpräparaten bzw. Sonnenschutzmitteln. Er wird auf der menschlichen Haut bestimmt. Die in Europa angewendete Methode wurde vom Europäischen Dachverband der Kosmetikindustrie Cosmetics Europe erarbeitet und inzwischen weltweit normiert (EN ISO 24444:2010: Cosmetics – Sun protection test methods – In vivo determination of the sun protection factor).

In Ergänzung der Lichtschutzfaktorbestimmung um den UV-A-Schutz hat Cosmetics Europe ebenfalls eine Methode erarbeitet (EN ISO 24443:2012: Cosmetics – Sun protection test methods – In vitro determination of sunscreen UVA photoprotection).

Warum gibt es Sonnenschutzmittel nur bis LSF 50?

Sonnenschutzmittel müssen einen Lichtschutzfaktor (LSF) oder Sun Protection Factor (SPF) von mindestens 6 aufweisen. Die früher sehr verbreiteten Sonnenschutzprodukte mit SPF 2 oder 4 gelten heute wegen ihrer vergleichsweise niedrigen Schutzleistung nicht mehr als Sonnenschutzmittel. Auf den Packungen dürfen nur festgelegte Lichtschutzfaktor-Werte angegeben werden: 6, 10, 15, 20, 25, 30, 50, 50+. Gemessene Zwischenwerte (wie z. B. LSF 24) werden auf den niedrigeren (LSF 20 Wert) abgerundet. Der höchste auslobbare Lichtschutzfaktor beträgt 50+. Dieser steht für gemessene Lichtschutzfaktoren von 60 oder höher.

Noch höhere Lichtschutzfaktoren (75, 100 oder 130) werden im pharmazeutischen Bereich angeboten, sind aber im kosmetischen Sonnenschutz aus strahlungstechnischen Erwägungen bei normalem Sonnenlicht nicht erforderlich. Richtig angewendet eliminiert ein Produkt mit LSF 30 bereits 97 Prozent der UVB-Strahlen. Bei Faktor 50 sind es 98 Prozent. Rein rechnerisch kommt ein Produkt mit LSF 100 auf 99 Prozent. Denn trotz LSF 100 bieten auch diese Produkte bei intensiver und andauernder Strahlung keinen vollständigen Schutz und Lücken in der Auftragung erweisen sich als besonders tragisch. Der Erfolgsschlüssel ist und bleibt die sachgemäße Anwendung des Produktes: Gleichmäßig, flächendeckend, wiederholt und in ausreichender Menge. Auch noch so hohe LSF-Zahlen ändern dieses Prinzip nicht.

Wie viel Sonnenschutzmittel muss ich auftragen, damit es wirkt?

Die nicht von Textilien geschützten Hautareale sollten durch Sonnenschutzmittel vor UV-Strahlung geschützt werden. Auf den Produkten findet sich neben dem Lichtschutzfaktor noch die dazu gehörige Produktkategorie beziehungsweise Schutzklasse. Im Zweifel sollte immer ein höherer Schutz gewählt werden. Die auf den Packungen angegebene Schutzleistung wird nur erreicht, wenn das Produkt in ausreichender Menge aufgetragen wird. Im SPF-Test im Prüflabor werden 2 mg pro cm² Haut verwendet. Für die gesamte Körperoberfläche eines Erwachsenen sollten daher etwa drei Esslöffel Sonnenschutzmittel pro Anwendung aufgetragen werden. Nachcremen ist ebenfalls sehr wichtig, insbesondere nach dem Baden, Abtrocknen oder starkem Schwitzen. Denn nur so kann der Schutz aufrechterhalten werden. Die mögliche Verweildauer in der Sonne verlängert sich allerdings nicht. Durch wiederholtes Auftragen eines Produktes kann man keinen höheren Sonnenschutzfaktor erreichen.

Bei Kindern sind die natürlichen Schutzmechanismen der Haut noch nicht vollständig ausgebildet und Sonnenbrände erhöhen das Risiko, später an Hautkrebs zu erkranken. Babys und Kleinkinder sollten während der ersten zwölf Lebensmonate nicht und ab dem zweiten Lebensjahr nur für kurze Zeit direkter Sonne ausgesetzt werden. Die Mittagszeit sollte grundsätzlich gemieden und unbedeckte Hautflächen mit SPF 30 oder höher geschützt werden. Kinder sollten immer mit lockerer, langärmeliger Kleidung, Sonnenhut und Sonnenbrille ausgestattet sein.

Wirken Spray, Creme, Lotion oder Gel alle gleich gut? Was sind die Unterschiede?

Konsumenten haben sehr unterschiedliche Ansprüche an die Anwendungseigenschaften von Sonnenschutzmitteln. Daher gibt es die Produkte als Milch, Creme, Lotion, Spray, Gel, Öl, Stift oder Schaum. Für Kinder werden Produkte mit hoher Wasserfestigkeit oder farbstoffhaltige Produkte zur Auftragskontrolle angeboten. Für Wintersportler sind fetthaltige Produkte geeignet, die auch einen gewissen Kälteschutz bieten. Bei den Düften reicht das Spektrum von geruchlos bis hin zu den Premium-Duftnoten. Für alle diese Produkte gilt: Die angegebene Wirkung, also UV-A- und UV-B-Schutz, ist unabhängig von der Produktform gleich gut.

Warum muss man immer wieder nachcremen? Kann ich damit den Sonnenschutz erhöhen?

Sonnenschutzmittel sind kein Freibrief für gedankenlosen Aufenthalt in der Sonne. Auch Produkte mit hohen Lichtschutzfaktoren verhindern die UV-Belastung nicht vollständig. Außerdem sind sportliche Aktivitäten wie Laufen, Radfahren und Ballspielen oft damit verbunden, dass die Haut lange der Sonne ausgesetzt ist und schwitzt. Zum Schutz der Haut eignen sich in diesen Fällen wasserfeste Produkte mit hohen Lichtschutzfaktoren. Ein möglicher Produktverlust durch Schwitzen und Abrieb muss daher durch regelmäßiges Nachcremen kompensiert werden. Auch beim Schwimmen, beim anschließenden Abtrocknen, beim Liegen auf einem Handtuch oder durch Kleidung geht Sonnenschutzmittel durch Abrieb verloren. Regelmäßiges Nachcremen ist daher, unabhängig von der Höhe des Lichtschutzes, immer wieder erforderlich. Wichtig: Durch wiederholtes Auftragen eines Produktes kann man keinen höheren Sonnenschutzfaktor erreichen.

Ein Mythos: Sonnenschutzprodukte brauchen keine Vorlaufzeit. Sie wirken sofort nach dem Auftragen. Trotzdem sollte man Sonnenschutzmittel rechtzeitig auftragen, am besten, bevor es nach draußen geht. Ungeschützt auf dem Weg zum Strand vergeht oft so viel Zeit, dass ein später aufgetragenes Sonnenschutzmittel nicht mehr ausreichend wirkt. Nach dem Auftragen sollte man allenfalls eine gewisse Zeit warten, bevor man Kleidungsstücke überzieht, um einer Fleckenbildung auf der Kleidung vorzubeugen.

Warum bekommen bestimmte Körperstellen schneller einen Sonnenbrand?

Ohren, Nase, Oberlippe, Kopfhaut – insbesondere bei lichtem Haar –, Dekolleté, Nacken, Schultern und Fußrücken sind besonders lichtempfindlich beziehungsweise der UV-Strahlung besonders stark ausgesetzt. Diese “Sonnenterrassen“ müssen daher besonders gut geschützt werden.

Hier ist großzügiges und wiederholtes Auftragen erforderlich. Ausnahmsweise gilt hier die Aussage: „viel hilft viel“.

Wie steht es mit Allergien im Zusammenhang mit Sonnenschutzmitteln?

Allergene Stoffe sind weit verbreitet und finden sich unter anderem in Produkten des täglichen Bedarfs. Am häufigsten sind allergische Reaktionen auf Lebensmittel. Allergien durch Sonnenschutzmittel sind eher selten. Trotz sorgfältiger Sicherheitsüberprüfungen kann es in Ausnahmefällen jedoch zu einer allergischen Reaktion kommen. Hierbei handelt es sich in der Regel um Kontaktallergien. Sie beruhen auf einem Kontakt der Haut mit allergieauslösenden Stoffen.

Eine entscheidende Hilfe beim Vermeiden der Allergieauslöser stellt die INCI-Deklaration dar, eine Liste aller in einem Produkt verwendeten Inhaltsstoffe. Anhand dieser Liste können Menschen mit einer Unverträglichkeit feststellen, ob ein Produkt einen Stoff enthält, den sie nicht vertragen.

Hiervon zu unterscheiden ist die im Zusammenhang mit Sonnenexposition auftretende Polymorphe Lichtdermatose (ca. 90 % aller sogenannten Sonnenallergien). Neben einem sehr hohen Lichtschutzfaktor verbessern ein hoher UV-A-Schutz sowie Antioxidantien bzw. Radikalfänger den Anwendungserfolg.

Muss ich Sonnenschutzmittel am Ende der Saison entsorgen?

Zur Haltbarkeit von Sonnenschutzmitteln findet man auf den Packungen meist ein Symbol, den geöffneten Tiegel, der mit einer Zahlenangabe, wie zum Beispiel „18 M“ versehen ist. Dies weist auf die Aufbrauchdauer in Monaten nach dem Öffnen der Packung hin – in diesem Beispiel 18 Monate nach dem Öffnen. Möglicherweise ist auch ein Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben, meist zusammen mit dem Symbol einer Sanduhr. Dieses Datum gilt auch bei bereits geöffneter Packung.

 

UV-Filter sind sehr stabile Substanzen, die sich bei sachgerechter Lagerung praktisch nicht verändern. Die Schutzwirkung bleibt also über die vorgesehene Lager- und Anwendungszeit von Sonnenschutzmitteln erhalten.

Bereits angebrochene Packungen können daher in der Regel problemlos in der nächsten Saison aufgebraucht werden. Sollte sich das Produkt allerdings in Farbe, Geruch oder Konsistenz verändert haben, sollte man wegen des möglichen Verderbs auf die weitere Verwendung verzichten.

Von welchen Faktoren hängt die Wahl des richtigen Lichtschutzfaktors ab?

Neben dem Ort, der Aufenthaltsdauer, der Uhrzeit und dem Wetter spielt der jeweilige Hauttyp eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, den richtigen Lichtschutzfaktor für sich auszuwählen. Faustregel: Je heller die Haut, Haare und Augenfarbe, desto lichtempfindlicher ist die Haut. Auch hier gilt: Wer sich unsicher ist, wählt lieber einen höheren Lichtschutzfaktor. Hilfestellung zur Bestimmung des eigenen Hauttyps liefert unter anderem die Hauttyp-Bestimmung auf haut.de.

Weitere Informationen rund um das Thema Sonnenschutz gibt es unter www.sonnenschutz-sonnenklar.info/link-tipps/ und www.ikw.org/schoenheitspflege/themen/fragen-antworten/sonnenschutz/.

Sonnenschutzmittel und UV-Filter in der Diskussion

Können Sonnenschutzmittel Allergien verursachen?

Die wichtigsten Wirkstoffe der kosmetischen Sonnenschutzmittel sind die UV-Filter. Sie unterliegen strengen gesetzlichen Regelungen und es dürfen ausschließlich die ca. 30 in einer Anlage der europäischen Kosmetik-Verordnung genannten UV-Filter für Sonnenschutzmittel verwendet werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat zu möglichen Allergenen in Kosmetika und Pflegeprodukten eine Übersicht publiziert. Demnach können prinzipiell viele Bestandteile von Kosmetik- und Pflegeprodukten in seltenen Fälle Unverträglichkeiten oder Allergien auslösen. Besonders herausgestellt sind Duftstoffe, Konservierungsstoffe, Haarfarbstoffe sowie einige Grund- und Hilfsstoffe. Die UV-Filter werden nicht explizit aufgeführt, da sie im Hinblick auf Allergien als wenig auffällige Substanzen gelten. Allergien als Folge der Anwendung von UV-Filtern sind also möglich, aber im Vergleich zu anderen Stoffen sehr selten.

Gelegentlich kann die Haut bei Sonnenbestrahlung Unverträglichkeitsreaktionen zeigen – sogenannte Photodermatosen, welche umgangssprachlich auch als „Sonnenallergie“ bezeichnet werden. Eine besonders häufige Form der „Sonnenallergie“ ist die Polymorphe Lichtdermatose, welche ca. 90 Prozent aller Photodermatosen ausmacht. Die durch UV-Strahlung ausgelösten Hautreaktionen treten meist nach der ersten Sonnenbestrahlung besonders intensiv auf und werden im Laufe des Sommers durch Sonnengewöhnung immer schwächer. Die Haut zeigt Rötungen, Bläschen, Knötchen oder nässende Bereiche und die Reaktion ist von Hautjucken begleitet. Diese Unverträglichkeitsreaktionen können unabhängig von der Anwendung von Sonnenschutzmitteln auftreten. Neben der Vorbräunung und Sonnengewöhnung können hohe Lichtschutzfaktoren, ein hoher UV-A-Schutz und die Anwendung von Antioxidantien wie Radikalfängern die „Sonnenallergie“ vielmehr abschwächen oder sogar verhindern.

Allergien durch Sonnenschutzmittel sind hingegen eher selten.

Haben UV-Filter hormonähnliche Wirkungen und schaden damit der Gesundheit?

Berichte zu vermeintlich gesundheitsschädlichen Wirkungen von Sonnenschutzmitteln, wie zum Beispiel die im Jahr 2000 durch eine Schweizer Forschungsgruppe veröffentlichten Studien zu hormonähnlichen Wirkungen von UV-Filtern, können Verbraucherinnen und Verbraucher verunsichern. Einen wissenschaftlichen Beleg für eine schädliche Wirkung auf den menschlichen Hormonhaushalt liefern diese Untersuchungen allerdings nicht. Eine Vielzahl anerkannter wissenschaftlicher Studien und auch die Aufsichtsbehörden bestätigen vielmehr die Sicherheit und gesundheitliche Unbedenklichkeit von UV-Filtern. So stellte das Scientific Committee on Cosmetic Products and Non-Food Products (SCCNFP) der Europäischen Kommission im Juni 2001 klar, dass die in Europa für kosmetische Sonnenschutzmittel zugelassenen UV-Filter keinen gesundheitlich relevanten östrogenen Effekt aufweisen. Und auch die Experten vom Krebsinformationsdienst des dkfz (Deutsches Krebsforschungszentrum) sehen keinen Beleg für eine gesundheitsschädigende hormonähnliche Wirkung von Sonnenschutzmitteln.

Ist die Anwendung von UV-Filtern auf Kinderhaut strenger als bei Erwachsenen geregelt?

Kleine Kinder und Säuglinge sind durch die Sonne besonders gefährdet. Ihre Haut ist viel dünner und empfindlicher als die von Erwachsenen, und die natürlichen UV-Eigenschutzmechanismen sind vor allem während der ersten sechs Lebensjahre noch nicht vollständig entwickelt. Die Fähigkeit, eine schützende Lichtschwiele zu entwickeln, muss sich erst noch ausbilden. Auch ist Kinderhaut noch nicht in der Lage, schnell und ausreichend Pigmente (Melanin) für den hauteigenen UV-Schutz zu bilden.

Deshalb gilt für Babys bis zu 12 Monaten, dass sie überhaupt nicht der direkten Sonne ausgesetzt werden sollten. Und auch für danach gilt, mit der Sonnenbestrahlung vorsichtig umzugehen. Neben der Bekleidung, dem Aufenthalt im Schatten und die Vermeidung der Mittagssonne ist die Verwendung von Sonnenschutzmitteln auf unbedeckten Hautarealen der Kinder besonders wichtig. Eine unterschiedliche Bewertung für die Anwendung von UV-Filtern auf Kinderhaut ist nach einhelliger Expertenmeinung jedoch nicht erforderlich.

Für Kinderprodukte werden die gleichen UV-Filter wie bei Produkten für Erwachsene verwendet. Sie sind in Europa nach einem standardisierten Verfahren zugelassen – ohne spezifische Einschränkungen für die Anwendung auf Kinderhaut. Kinder haben zwar ein anderes Verhältnis von Hautoberfläche zu Körpergewicht als Erwachsene. Der Unterschied zwischen einem Kleinkind (1 bis 2 Jahre) und einem Erwachsenen kann das 1,7-fache betragen. Dies ist grundsätzlich von hoher Relevanz, da die perkutane Aufnahme von Stoffen (durch die Haut) proportional mit der Hautoberfläche wächst.

Eine besondere Berücksichtigung dieser Situation ist dennoch nicht erforderlich, da bei den Berechnungen zur Toxizität ein Unsicherheitsfaktor von 100 verwendet wird. Dieser setzt sich zusammen aus dem Faktor 10 für unterschiedliche Spezies (Tier/Mensch) und dem Faktor 10 für Schwankungen zwischen den Individuen (u. a. Erwachsene/Kinder aber auch Männer/Frauen oder besonders sensible Verbrauchergruppen). Dieser hohe Unsicherheitsfaktor von 100 kompensiert auch den Faktor 1,7 für die Unterschiede im Verhältnis Hautoberfläche/Körpergewicht zwischen Erwachsenen und Kindern. Eine darüber hinausgehende unterschiedliche Bewertung für die Anwendung von UV-Filtern auf Kinderhaut ist nach einhelliger Expertenmeinung nicht erforderlich.

Können Nanopigmente der UV-Filter in die Haut eindringen und dem Anwender schaden?

In kosmetischen Sonnenschutzmitteln werden auch Nanopartikel auf der Basis der anorganischen Pigmente Titandioxid und Zinkoxid als wirksame UV-Filter eingesetzt. Immer wieder wird aber die Frage nach einem möglichen Eindringen der Nanopartikel in tiefere Hautschichten und damit verbundener Risiken gestellt. Die in Europa zugelassenen UV-Filter Titandioxid und Zinkoxid gelten in diesem Zusammenhang als umfangreich untersuchte und in der Anwendung als sichere UV-Filter. Studienergebnisse zeigen, dass Nanopartikel nicht in die gesunde Haut eindringen. Das BfR schreibt beispielsweise zu dem UV-Filter Titandioxid in Nanoform: „Nanopartikel, die als UV-Filter in Sonnenschutzmitteln eingesetzt werden, müssen vom wissenschaftlichen Expertengremium der EU-Kommission SCCS bewertet werden. Der Kontakt von Nanopartikeln mit der Haut ist zudem gut untersucht. Studien belegen, dass zum Beispiel Nano-Titandioxid in den Formen, wie sie in kosmetischen Mitteln verwendet werden, nicht in den menschlichen Blutkreislauf eindringen kann. Auf Grundlage der verfügbaren Erkenntnisse kam das SCCS zu dem Schluss: Gesundheitliche Risiken sind bei Nano-Titandioxid als UV-Filter in einer Konzentration von bis zu 25 Prozent in Sonnenschutzmitteln unwahrscheinlich. Dies gilt bei gesunder, intakter und sonnenverbrannter Haut.“

Damit Verbraucherinnen und Verbraucher beim Kauf von Sonnenschutzprodukten wissen, ob ein Produkt Mikropigmente in Nanoform enthält, gilt eine Kennzeichnungspflicht für Nanopartikel. Hierzu folgt in der Liste der kosmetischen Inhaltsstoffe der jeweiligen INCI-Bezeichnung (INCI= International Nomenclature of Cosmetic Ingredients) das Wort „Nano“ in Klammern.

Schaden Sonnenschutzmitteln Korallen?

Aussagen einzelner Wissenschaftler, wie beispielsweise die 2008 durch Wissenschaftler der Universität Ancona publizierten Studienergebnisse, vermitteln den Eindruck, dass Sonnenschutzmittel und insbesondere die darin enthaltenen UV-Filter zum Ausbleichen der Korallen und damit zur Schädigung des marinen Ökosystems beitragen können.

Unberücksichtigt bleibt hierbei, dass diese Befunde und Messergebnisse aus Laboruntersuchungen stammen und kein Beleg für eine tatsächliche Schädigung der aquatischen Umwelt darstellen. So ist es mehr als fraglich, ob die Korallen in natürlichen Riffen ähnlich hohen Konzentrationen von Sonnenmilch ausgesetzt sind wie in den Versuchsanordnungen der Forscher. Andere anerkannte Experten kommen in Untersuchungen dagegen zu dem Schluss, dass Korallenriffe durch eine Vielzahl von anderen wesentlichen Einflussfaktoren, wie den Klimawandel und nicht nachhaltigen Fischfang, bedroht sind und dass ein tatsächlicher (negativer) Einfluss von UV-Filtern keineswegs belegt ist.