Risikoforscher warnt vor „German Angst“

Vermeintliche Gefahren im Alltag überlagern echte. Kosmetika als Beispiel für häufige Fehlinterpretationen trotz höchster Sicherheitsstandards. Beharren auf Nullrisiko nährt eine Illusion und bremst dynamische Entwicklung. Wissenschaftler ermutigt zu neuer Vernunfthaltung für mehr Lebensqualität.

"Wir Deutschen sind Weltmeister der Lebensangst. Die sogenannte 'German Angst' wurde international als Begriff geprägt. Sie drückt die besondere Unfähigkeit der Deutschen aus, zwischen echten und vermeintlichen Gefahren zu unterscheiden." Mit dieser Feststellung verdeutlicht der Karlsruher Chemiker und Risikoforscher Prof. Johannes Friedrich Diehl die Absurdität der populären Forderung nach einem Nullrisiko für alles, was wir als Verbraucher regelmäßig benutzen. 

Ob Lebensmittel oder Kosmetika – immer wieder geraten einzelne Inhaltstoffe in negative Schlagzeilen. Dabei meldet der Kompetenzpartner Schönheitspflege im IKW gerade mal 1,1 Fälle von Unverträglichkeit auf eine Million verkaufter Verpackungen kosmetischer Mittel. Allerdings pflegen die Deutschen nach den Erfahrungen von Prof. Diehl, der ehemaliger Leiter der Bundesforschungsanstalt für Ernährung ist, seit den 70er Jahren eine verheerende Tradition: Sie misstrauen jedem Experten grundsätzlich, der versucht, eine irrationale Diskussion um alltägliche Risiken zu versachlichen.

Dabei entpuppten sich bisher alle Meldungen über angebliche Schädlichkeit, für die Kosmetika herhalten müssen, bei sachlicher Nachprüfung als faktisch unhaltbar. Die Absender vordergründiger Enthüllungen rechtfertigen ihr Tun als Verbraucherschutz für mehr Lebensqualität. Doch gerade diese verschlechtere sich in der Konsequenz einer solchen Geisteshaltung eher, so der Experte: "Das Streben nach einem Nullrisiko im Leben belastet den individuellen Alltag ebenso wie das Gemeinwesen mit lähmenden Ängsten, die alles Wachstum bremsen."

Prof. Diehl plädiert keineswegs für einen leichtsinnigen und tatsächliche Risiken ignorierenden Lebenswandel. Er setzt sich vielmehr dafür ein, aus der unsere Entwicklung und Lebensfreude hemmenden Befangenheit auszubrechen. Vielmehr ermutig er dazu, sich von der Illusion des Nullrisikos zu verabschieden. Es sei zudem sinnlos, darauf hin zu arbeiten. Zwar kann man durch immer weiter verfeinerte Untersuchungsmethoden Spuren von Substanzen messen, die in sehr hohen Dosen unerwünschte Wirkungen haben können. So lange diese Stoffe aber in unvorstellbar winzigen Mengen vorliegen, sind sie entweder sogar nützlich oder haben praktisch keine Bedeutung für Mensch und Natur, sind also keine "Warn"-Meldungen wert.

Literatur
Diehl, J. F.: Von Delaney zu de minimis - die Illusion des Nullrisikos. Dt. Lebensmittel-Rundschau, 99. Jahrgang, Heft 9, 2003

Lau, J.: Abschied von der Panikmache. Die ZEIT, 13.05.2004, www.zeit.de


Info-Links
Informationsverbund Dermatologischer Kliniken (IVDK), www.ivdk.org

Arbeitsgemeinschaft für ästhetische Dermatologie und Kosmetologie e. V. (ADK), www.adk-online.org

In eigener Sache
Zu jeder "Warn"-Meldung, die sich auf Kosmetika und ihre Inhaltsstoffe oder ihre Wirkunsgweise bezieht, gibt es beim Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel (IKW) eine sachliche Überprüfung der Fakten mit einer Stellungnahme. Stets aktuelle Stellungnahmen und andere Informationen finden sich im Internet unter www.ikw.org.


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