Waschmaschinen – die Mär von der Keimschleuder

In Medien wurde über eine Veröffentlichung des Instituts für Hygiene und Öffentliche Gesundheit der Universität Bonn berichtet. Die Forscher beschreiben darin einen Fall aus einem Krankenhaus, wo Textilien von Frühgeborenen vorschriftswidrig mit einer Haushaltswaschmaschine gewaschen worden waren und so multiresistente Keime über die Textilien auf die Säuglinge übertragen wurden. Die Säuglinge erkrankten an diesen Keimen nicht.

Für Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen gelten ganz besondere Hygieneregeln, worauf auch die Forscher vom Bonner Hygieneinstitut hinweisen. Für Privathaushalte stellt der IKW klar, dass Waschmaschinen keine Keimschleudern sind, wenn folgende Tipps beachtet werden:

  • Benutzte Textilien und insbesondere feuchte Schmutzwäsche (z. B. verschwitzte Sportkleidung) nicht feucht aufbewahren, sondern trocknen lassen oder möglichst rasch waschen.

  • Gewaschene Wäsche nicht in der Waschmaschine liegen lassen, sondern sofort zum Trocknen aufhängen, wenn möglich im Freien, oder im Wäschetrockner trocknen.

  • Nach dem Entnehmen der sauberen Wäsche die Tür oder den Deckel der Waschmaschine geöffnet lassen und die Waschmittel-Schublade („Einspülkammer“) etwas herausziehen, damit Wasserdampf entweichen und die Maschine innen trocknen kann. Keime mögen keine Trockenheit.

  • Die Einspülkammer und deren Aufnahmeschacht regelmäßig reinigen: Reste von Waschmitteln oder Weichspülern und Staub entfernen. Die Einspülkammer lässt sich normalerweise komplett herausnehmen.

  • Die Gummidichtung am Bullauge der Waschmaschine sauber machen und trocknen.

  • Zur Vorbeugung von Biofilmen sollten in regelmäßigen Abständen, am besten alle zwei bis vier Wochen, Textilien bei 60 °C mit einem bleichmittelhaltigen Waschmittel (z. B. Universal- oder Vollwaschmittel als Pulver, Granulat oder Tabletten), oder unter Zusatz von bleichmittelhaltigen Fleckenmitteln im Normalprogramm „Koch/Bunt“ oder „Baumwolle“ gewaschen werden.

  • Bei der Reinigung das Behältnis für die Schmutzwäsche nicht vergessen! Auch textile Wäschesäcke können in der Waschmaschine gewaschen werden, solche aus Kunststoff oder Metall sollten ebenfalls regelmäßig gereinigt werden.

  • Unterwäsche und Waschlappen bei mindestens 40 °C, Küchentextilien wie Spültücher und Geschirrtücher besser bei 60 °C mit einem bleichmittelhaltigen Waschmittel (z. B. Universalwaschmittel bzw. Vollwaschmittel als Pulver, Granulat oder Tabletten) waschen bzw. ein bleichmittelhaltiges Fleckenmittel zusätzlich dosieren.

    Im besonderen Fall der Nutzung einer Gemeinschaftseinrichtung wie z. B. öffentlichen Waschsalons, ist man gut beraten, den ersten eigenen Waschgang in einer Maschine bei 60 °C zu machen.

    In Privathaushalten ist das Infektionsrisiko durch gewaschene Wäsche ausgesprochen klein. Für besondere Situationen, z. B. im Zusammenhang mit Krankheiten der Hausbewohner, sollten spezielle Waschbedingungen gewählt werden.

    Dies gilt vor allem in Haushalten, in denen Neugeborene, immungeschwächte Menschen oder Personen mit offenen Wunden oder Dauerkathetern leben. Dies gilt auch,

  • wenn in einem Haushalt Menschen an Pilzinfektionen leiden, die auch über die Wäsche übertragen werden können, z. B.
    - über Strümpfe (Fußpilz) oder
    - Unterwäsche (Candida albicans) oder

  • bei akuten Fällen von Magen-Darm-Infektionen, die mit Erbrechen und Durchfällen einhergehen und entsprechend starke Verunreinigungen der Textilien verursachen.

    Mit Krankheitserregern verunreinigte Wäsche muss mit einem bleichmittelhaltigen Waschmittel (z. B. Universalwaschmittel oder Vollwaschmittel als Pulver, Granulat oder Tabletten) oder einem bleichmittelhaltigen Fleckenmittel als Zusatz bei 60 °C gewaschen werden. Wenn die Textilien Bleichmittel und/oder so hohe Temperaturen nicht aushalten, hilft ein desinfizierender Hygienespüler, die Krankheitserreger von den Textilien zu entfernen.

    Da die von Waschmaschinen angezeigten Temperaturen nicht von allen Geräten und nicht in allen Programmen erreicht werden, und auch durch kurze Waschzeiten die Hygienewirkung verringert wird, haben einige Waschmaschinen Programme (z. B. „Intensiv“, „Hygiene“, „Anti-Allergie“, „Daunen/Betten“), die die angezeigte Temperatur (60 °C) erreichen und ausreichend lange halten. Dies unterstützt eine gute Wäschehygiene, auch wenn Waschmittel ohne Bleichmittel eingesetzt werden.

    Bei Beachtung dieser Tipps werden Mikroorganismen, die auf benutzten Textilien zu finden sind, durch die Wahl der richtigen Waschmittel und Waschmaschinenprogramme in der Waschmaschine entfernt. Dann sind Waschmaschinen keine Keimschleudern.