Unterstellungen des NDR gegenüber der Waschmittelindustrie

Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat am 2. November 2020 einen Beitrag zu vermeintlichen „Tricks der Waschmittelindustrie“ ausgestrahlt. Dabei sind die für die Sendung Verantwortlichen ihrer Verpflichtung zur Ausgewogenheit und fairen Berichterstattung nicht nachgekommen, die für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt[1].

Im Folgenden kommentiert der Bereich Haushaltspflege im IKW einige Widersprüche und Falschdarstellungen aus der Sendung:

Weichspüler

In der Sendung wird der Allgemeinplatz verkündet, dass Duftstoffe Allergien auslösen können. Dabei handelt es sich um eine allgemeine Aussage, die für die praktische Nutzung von Weichspülern und auf Waschmitteln kaum relevant ist. Denn die Zahl allergischer Reaktionen auf Weichspüler oder auch andere Wasch- und Reinigungsmittel ist sehr gering: Die Sicherheitsmaßnahmen wirken, die die Hersteller dieser Produkte ergreifen. Auch Fachleute des Deutschen Allergie- und Asthma­bundes e.V. (www.daab.de) und des Informationsverbundes Dermatologischer Kliniken (www.ivdk.org) bestätigen, dass durch Weichspüler, Waschmittel oder gewaschene Wäsche nur ausgesprochen selten Allergien ausgelöst werden.[2]

Darüber hinaus bleibt die Erkenntnis namhafter Dermatologen unerwähnt, dass Weichspüler insbesondere Menschen helfen, die an Neurodermitis erkrankt sind. So beschreibt z. B. Professor Torsten Zuberbier, Allergie-Centrum-Charité, Universitätsmedizin Berlin, den Sachverhalt wie folgt: „Ein wesentlicher Faktor bei Neurodermitis ist das Vermeiden mechanischer Reizung der Haut. Die Auswahl geeigneter Kleidung, z. B. das Meiden von Wolle, spielt hier eine wichtige Rolle, und in wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass die generelle Verwendung von Weichspülern das Ekzem bei Neurodermitis signifikant verbessert durch die verringerte Reibung der Textilien.“[3]

Dosieren von Waschmitteln

Im Beitrag wird behauptet, dass bei Waschpulver die Angabe der Dosierung in Milliliter häufig für Verwirrung sorgen würde, weil Pulver normalerweise in Gramm abgemessen werden. In einem öffentlich-rechtlichen Sender mit Bildungsauftrag müsste es eigentlich bekannt sein, dass die Masse (in Gramm) und das Volumen (in Milliliter) über die Dichte (in Gramm pro Milliliter) miteinander verknüpft sind. Dies gilt bei einer Flüssigkeit ebenso wie bei einem Pulver.

Würde die Dosierangabe in Gramm erfolgen, dann müsste entweder die benötigte Menge mit einer Waage abgemessen werden oder für unterschiedlich konzentrierte Pulver würden separate, mit Gramm-Skalierung versehene Dosiergefäße benötigt, was bei Verwendung unterschiedlicher Produkte tatsächlich zu Verwirrung führen könnte. Die Angabe der Dosierung in Milliliter auf den üblichen Dosiergefäßen und den Verpackungen dient dazu, dass so skalierte Messgefäße für unter­schied­liche Waschmittel-Arten, z. B. sowohl traditionelle Pulver als auch für stärker konzentrierte Granulate (Kompaktwaschpulver), verwendet werden können.

Traditionelle Waschpulver in Vorratspackungen

Es wird im Beitrag behauptet, viele Hersteller würden die Produkte in Vorratspackungen mit Füllstoffen strecken. Tatsächlich werden keine Füllstoffe eingesetzt. Stattdessen enthalten traditionelle Pulver Natriumsulfat als Inhaltsstoff, das dafür sorgt, dass die Pulver nicht verklumpen und über lange Zeit aufbewahrt und problemlos dosiert werden können.

Darüber hinaus wird behauptet, dass die Packungen nicht richtig gefüllt seien und es sich deshalb um „Mogelpackungen“ handele. Tatsächlich ist es so, dass Pulver zum Zeitpunkt der Abfüllung voluminöser sind als nach dem Transport zum Einzelhandel und schließlich zu den Kunden, sodass bei der Abfüllung die verwendete Packungsgröße benötigt wird.

Hygienespüler

In der Sendung wird eine Keimreduktion beispielhaft berechnet. Dafür wird angenommen, dass die verschmutzte Wäsche zunächst 1 Milliarde Bakterien enthält. Ein Hygienespüler, der die Keimzahl um 99,9 Prozent verringert, könne diese Zahl daher nur auf 1 Million Bakterien reduzieren. In diesem Beispiel wird komplett außer Acht gelassen, dass ein Hygienespüler nicht direkt zur verschmutzten Wäsche gegeben wird, sondern erst im letzten Spülgang wirkt. Denn tatsächlich wird die Anzahl der Bakterien bereits durch den Waschgang und zwei Spülgänge deutlich verringert, d. h. die Zahl von 1 Milliarde Bakterien, auf die ein Hygienespüler einwirken müsste, ist unrealistisch. Diese fehlerhafte Annahme wird in der Sendung nicht klargestellt, sondern die darauf beruhende Rechnung auch noch in einer Straßenszene vor Passanten wiederholt.

Zwar wird anschließend im selben Beitrag genau darauf hingewiesen, dass die Keimzahl durch den Waschprozess deutlich verringert wird. Das führte aber bei den für den Beitrag Verantwortlichen nicht dazu, das vorher gebrachte unrealistische Beispiel von 1 Milliarde Keimen zu reflektieren.

Fazit

In der Sendung wurden noch wesentlich mehr Punkte falsch oder verzerrt dargestellt. Der IKW-Bereich Haushaltspflege bedauert, dass die für die Sendung Verantwortlichen technische Fakten nicht berücksichtigt haben und die Waschmittelindustrie mit Unterstellungen verunglimpfen.

[1] „Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist außerdem zur Ausgewogenheit verpflichtet. Dazu gehören das Gebot einer fairen und unabhängigen Berichterstattung und die Verpflichtung zur Überparteilichkeit. Die Abbildung verschiedener Meinungen im Programm soll insgesamt ausgewogen sein.“ daserste.ndr.de/wahlarena/Aufgabe-und-Funktion-des-oeffentlich-rechtlichen-Rundfunks-der-ARD,antworten124.html; Abruf am 2. November 2020

[2] https://www.forum-waschen.de/files/content/Materialien/Faltblaetter,%20Broschueren/2020_Kontaktallergien.pdf; Abruf am 2. November 2020

[3] https://www.ikw.org/fileadmin/ikw/downloads/IKW-Allgemein/IKW-Jahresbericht_2019_2020.pdf, Seite 40; Abruf am 2. November 2020.

Diese Stellungnahme ist hier als PDF-Datei herunterladbar.

Frankfurt am Main, den 5. November 2020