Nachhaltigkeitsinitiative der europäischen Wasch- und Reinigungsmittel-Industrie

Nachhaltigkeit ist ein Thema, das der europäischen Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel-Industrie  (WPR-Industrie) seit vielen Jahren wichtig ist. Nachhaltigkeit umfasst nach Auffassung dieser Industrie sowohl ökologische als auch soziale sowie ökonomische Aspekte, die alle gleichermaßen beachtet werden sollten.

Die Initiative "Nachhaltiges Waschen und Reinigen" ("Charter") des Internationalen Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittelverbandes (A.I.S.E., Brüssel) wurde bereits im Jahr 2004 in allen EU-Ländern sowie Norwegen, Island, Liechtenstein und der Schweiz auf freiwilliger Basis eingeführt. Sie hat das Ziel einer kontinuierlichen Verbesserung in den Unternehmen der WPR-Industrie hinsichtlich eines nachhaltigeren Wirtschaftens entlang der ganzen Lieferkette.  Gleichzeitig will sie Verbraucher zu nachhaltigerem Waschen und Reinigen anregen.

Die Initiative setzt auf die Breitenwirkung, also die Teilnahme möglichst vieler Firmen, um eine deutliche Verbesserung in Richtung Nachhaltigkeit zu erzielen, z. B. in Bezug auf Energie- und Rohstoffeinsparung. So steht die Teilnahme an der Initiative allen Firmen der WPR-Industrie offen, unabhängig von einer Mitgliedschaft in der A.I.S.E. Der Kernpunkt des Konzepts ist eine freiwillige Verpflichtung der teilnehmenden Unternehmen, sich fortlaufend in den Bereichen Arbeits‐ und Produktsicherheit, Umweltschutz und Verbraucherinformation zu verbessern. Teilnehmende Firmen durchlaufen eine Eingangsprüfung und werden durch externe, bei der A.I.S.E. akkreditierte Auditoren geprüft.

Firmen, die der Initiative "Nachhaltiges Waschen und Reinigen" ("Charter") beitreten, verpflichten sich, den gesamten Lebenszyklus der Produkte überprüfbar am Ziel der Nachhaltigkeit auszurichten. Der Produktlebenszyklus umfasst sowohl den Produktionsprozess, beginnend mit dem Rohstoffeinkauf über die eigentliche Herstellung, als auch die Verwendung und Entsorgung der Produkte bei Verbrauchern.

Verbraucher erkennen teilnehmende Firmen an dem Firmensiegel mit der blauen Weltkugel auf den Produkten:

Die teilnehmenden Firmen müssen bestimmte Kriterien erfüllen, die von unabhängigen Auditoren überprüft werden. Zu bestimmten Indikatoren senden die Firmen jährlich Daten an die A.I.S.E., z. B. Energie- und Wasserverbrauch während der Produktion, Menge des Verpackungsmaterials. Diese Daten werden von der A.I.S.E. seit dem Jahr 2006 jährlich in einem Nachhaltigkeitsbericht zusammengefasst, der auf der Internetseite der Initiative verfügbar ist.

Im Jahr 2018 hatten europaweit über 250 Unternehmen die zur Teilnahme an der Initiative erforderliche Prüfung erfolgreich durchlaufen. Diese Firmen sind berechtigt, ihre Produkte mit dem Firmensiegel der Initiative zu kennzeichnen. So stammen inzwischen über 85 Prozent der in Europa erzeugten und vermarkteten Produkte von geprüften Herstellern, die an der Nachhaltigkeitsinitiative teilnehmen.

Die Erfolgsbilanz der Initiative „Nachhaltiges Waschen und Reinigen“ von 2006 bis 2017 ist:

- Steigerung von 19 auf 250 teilnehmende Unternehmen

- 192 % mehr verkaufte Verpackungen mit  Sicherheitshinweisen auf den Packungen

- 36 % weniger CO2‐Emissionen

- 35 % weniger Energieverbrauch

- ca. 7 Milliarden Produkte mit dem "Charter"-Produktsiegel (seit 2010)

Seit 2010 zusätzlich produktbezogenes Siegel und Kriterien für Produkte

Seit Ende des Jahres 2010 wurden zusätzlich produktspezifische Kriterien eingeführt. Produkte (z. B. Waschmittel, Geschirrspülmittel, Weichspüler, Reinigungsmittel), die die neuen Kriterien erfüllen, werden durch das produktbezogene Siegel der Initiative gekennzeichnet:

Neben den aktualisierten Kriterien zum Produktionsprozess müssen die mit dem Siegel gekennzeichneten Produkte darüber hinaus die zusätzlichen Kriterien erfüllen:

  • Die Produkte benötigen eine Umweltverträglichkeitsprüfung, die bestätigt, dass die Umweltkonzentrationen der Inhaltsstoffe auf oder unter dem Wert liegen, bei dem kein Risiko für Umweltorganismen einschließlich Wasserlebewesen zu erwarten ist.
  • Die Produkte müssen möglichst konzentriert sein. So dürfen flüssige Waschmittel mit maximal 55 Milliliter pro Anwendung dosiert werden, bezogen auf normale Verschmutzung und 4,5 Kilogramm Trockengewicht bei Koch-/Buntwäsche bzw. 2,5 Kilogramm bei Feinwäsche mit leichter Verschmutzung, jeweils bei mittlerer Wasserhärte.
  • Für das Verpackungsgewicht sind Obergrenzen festgelegt, für Verpackungsmaterialien sind bestimmte Rezyklatanteile vorgeschrieben, oder sie müssen aus nachhaltig produzierten Rohstoffen stammen.
  • Auf den Packungen sind zudem Tipps zur sicheren Handhabung sowie zum Sparen von Wasser, Energie, CO2 und Geld sowie bei Waschmitteln der Hinweis auf eine mögliche Wäsche mit Temperaturen von 30 °C und weniger anzubringen.

Unternehmen, die der aktualisierten Initiative beitreten und deren Produkte nachweislich die Kriterien erfüllen, dürfen seit dem 1. Juli 2011 das produktbezogene Siegel auf die Packung aufdrucken. Die Kriterien werden laufend dem technischen Stand angepasst. Weitere Informationen zur Initiative und zu den Kriterien können über www.sustainable-cleaning.com/en.home.orb abgerufen werden.

Auszeichnung der Initiative als "Gute Wahl" unter siegelklarheit.de

Ebenso wie auch das amtliche Europäische Umweltzeichen ("Euroblume") wird die Industrieinitiative "Nachhaltiges Waschen und Reinigen" ("Charter") im Projekt "Siegelklarheit" der Bundesregierung unter der Rubrik "Wasch- & Reinigungsmittel" als "Gute Wahl" aufgeführt.

Auch Verbraucher können zur Nachhaltigkeit beim Waschen und Reinigen beitragen

Wenn Wasch-, Pflege- und Reinigungsmittel von einem nachhaltig wirtschaftenden Unternehmen mit dem Siegel der Initiative gekennzeichnet werden, können Verbraucher davon ausgehen, dass bei der Herstellung des Produktes die Energie und Rohstoffe optimal genutzt werden; Ökoeffizienz, Arbeits- und Verbraucherschutz spielen beim Hersteller eine wichtige Rolle. Bei Fragen zu den Produkten bieten die Hersteller eine qualifizierte Beratung. 

Der größte Anteil an Umweltauswirkungen von Wasch- und Reinigungsmitteln wird jedoch durch den Wasser- und Energieverbrauch bei deren Nutzung verursacht, z. B. in der Waschmaschine oder im Geschirrspüler. Die mit einem Siegel der Initiative versehenen Etiketten müssen daher leicht verständliche Verbraucherinformationen zum nachhaltigeren Gebrauch tragen. Die Kennzeichnung von Produkten mit dem neuen, produktbezogenen Siegel erleichtert darüber hinaus den Verbrauchern die Wahl von nachhaltigeren Produkten. Die Dialogplattform FORUM WASCHEN bietet Verbrauchern viele Tipps und Ratschläge, wie sie zuhause sparsam, hygienisch und effizient waschen und reinigen können.

Die Akteure im FORUM WASCHEN haben im Jahr 2007 Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln aufgerufen, Mitglied der Initiative "Nachhaltiges Waschen und Reinigen" ("Charter") zu werden (siehe: Erklärung Charter).