IKW-Stellungnahme: Mikroplastik-Partikel und gelöste Polymere in Wasch- und Reinigungsmitteln für Privathaushalte

IKW-Stellungnahme, 31. Januar 2019

In der Öffentlichkeit wird vermehrt über die zunehmende Verschmutzung der Meere mit Kunststoffen und Mikroplastikpartikeln diskutiert. Oftmals wird dabei nicht eindeutig zwischen wasserlöslichen Polymeren und festen, unlöslichen Mikroplastikpartikeln unterschieden.  

Unter dem Begriff Mikroplastik versteht die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) prinzipiell feste Plastikpartikel, die eine Größe zwischen einem Nanometer und 5 Millimeter haben.[1] Sie werden als Verunreinigungen in Meeren oder Binnengewässern gefunden.

Mikroplastikpartikel unterscheiden sich von wasserlöslichen Polymeren sowohl durch ihre Größe und Struktur als auch durch ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften. Mikroplastikpartikel mit wasserlöslichen Polymeren in diesem Zusammenhang gleichzustellen, ist daher nicht gerechtfertigt.

Die Mengen an unlöslichen Mikroplastikpartikeln, die bestimmten Reinigungsmitteln als Abrasivstoffe zur Reinigung zugesetzt werden, sind deutlich zurückgegangen. Nur vereinzelt werden sie noch in wenigen Spezialreinigungsmitteln für Glaskeramik-Kochfelder wegen ihrer milden abrasiven Wirkung eingesetzt. Inzwischen wurden diese Mikrokügelchen jedoch weitgehend u. a. durch Polierkörper aus Aluminiumoxid oder gemahlenen Kernen von Steinobst (z. B. Aprikosen) ersetzt.

Einige flüssige Wasch- und Reinigungsmittel enthalten jedoch bestimmte Trübungsmittel und/oder Minikapseln, die mit Duftstoffmischungen gefüllt sind. Bestimmte Trübungsmittel und Minikapseln für Duftstoffmischungen können unter die Definition der ECHA für Mikroplastik fallen.

Gelangen diese Trübungsmittel oder Duftstoff-Minikapseln ins Abwasser, werden sie in Deutschland in Kläranlagen zu bis zu 99 Prozent herausgefiltert. Gemäß einer europäischen Studie lag der Anteil von Mikroplastikpartikeln aus Wasch- und Reinigungsmitteln in europäischen Gewässern im Vergleich zum Gesamteintrag von Mikroplastik und größeren Kunststoffteilen („Makroplastik“) bei circa 0,1 Prozent[2].

Mikroplastikpartikel, die als solche gezielt in Produkten eingesetzt werden, nennt man primäres Mikroplastik. Der weitaus größte Teil des Mikroplastiks stammt jedoch aus Plastikmüll, der ins Meer gelangt ist und dort über die Zeit in immer kleinere Teile zerfällt. Zudem wird beispielsweise auch Reifenabrieb in signifikanten Mengen über die Flüsse ins Meer transportiert. Solche Mikroplastikpartikel werden als sekundäres Mikroplastik bezeichnet.

Von primärem Mikroplastik abzugrenzen sind die wasserlöslichen Polymere, die nicht als Partikel im Produkt vorliegen. Sie übernehmen insbesondere in Wasch- und Maschinengeschirrspülmitteln wichtige Funktionen. Nachfolgend wird dies anhand von zwei Beispielen beschrieben:

1. Die sogenannten Polycarboxylate sind die mengenmäßig größte Gruppe wasserlöslicher Polymere. Sie erleichtern das Ablösen von Schmutz, halten gelösten Schmutz im Wasser und verhindern Kalkablagerungen auf Wäsche, Spülgut und in den Wasch- und Spülmaschinen. Polycarboxylate werden zu Anteilen von bis 95 Prozent in Kläranlagen eliminiert. Für die in Oberflächengewässer gelangenden Mengen an Polycarboxylaten ergibt die Sicherheitsbeurteilung, dass diese Mengen für Gewässer und ihre Lebewesen unbedenklich sind.

2. Für die Hülle von vordosierten Wasch- und Reinigungsmitteln, sogenannten Gelkapseln, oder auch bestimmten Tabletten (Tabs), wird Polyvinylalkohol-Folie eingesetzt. Dieses Polymer ist wasserlöslich und inhärent biologisch abbaubar. Auch für die Mengen an gelöstem Polyvinylalkohol, die in Oberflächengewässer gelangen, ergibt die Sicherheitsbeurteilung, dass sie für Gewässer und ihre Lebewesen unbedenklich sind.

Die Hersteller von Wasch-, Pflege- und Reinigungsmitteln tragen die Verantwortung, dass die den Verbrauchern zur Verfügung gestellten Produkte für Mensch und Umwelt sicher sind. Dieser Verpflichtung kommen sie durch freiwillige Initiativen und im Rahmen der umfangreichen gesetzlichen Regelungen nach.

[1] Anhang-XV-Dossier zur Beschränkung der Verwendung von absichtlich hinzugefügten Mikroplastik-Partikeln in Endverbraucherprodukten: https://echa.europa.eu/de/registry-of-restriction-intentions/-/dislist/details/0b0236e18244cd73

[2] OSPAR Commission. (2017). Assessment document of land-based inputs of microplastics in the marine environment, siehe: https://www.ospar.org/documents?v=38018

Die Stellungnahme kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.