IKW-Stellungnahme: Mikroplastik-Partikel und gelöste Polymere in Wasch- und Reinigungsmitteln für Privathaushalte

IKW-Stellungnahme, 17. Juli 2017

In der Öffentlichkeit wird vermehrt über die zunehmende Verschmutzung der Meere mit Kunststoffen und festen Mikroplastikpartikeln diskutiert. Oftmals wird dabei nicht eindeutig zwischen gelösten Polymeren und festen Mikroplastikpartikeln unterschieden.

Als Plastik gelten synthetische, wasserunlösliche Polymere mit folgenden Eigenschaften: Sie können

- wiederholt geformt oder
- extrudiert (geschmolzen und durch Düsen gespritzt) oder anders physikalisch behandelt in unterschiedliche feste Formen gebracht werden,

und behalten ihre definierte Gestalt bei der bestimmungsgemäßen Anwendung während Verwendung und Entsorgung bei.

Unter dem Begriff Mikroplastik sind unlösliche feste Plastikpartikel zu verstehen, die eine Größe von weniger als 5 Millimeter haben und als Verunreinigungen in Meeren gefunden werden.

Mikroplastikpartikel unterscheiden sich von gelösten Polymeren sowohl durch ihre Größe und Struktur als auch durch ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften. Mikroplastikpartikel mit gelösten Polymeren in diesem Zusammenhang gleichzustellen, ist daher nicht gerechtfertigt.

Mikroplastikpartikel spielen in Wasch- und Geschirrspülmitteln, Allzweck-, Bad- und WC-Reinigern sowie Pflegemitteln für Privathaushalte kaum eine Rolle: Nur in sehr wenigen Reinigungsmitteln für kratzempfindliche Oberflächen sind Mikroplastikpartikel wegen ihrer milden abrasiven Wirkung enthalten. Gelangen diese ins Abwasser, werden sie in Kläranlagen überwiegend ausgefiltert. Nach Kenntnis des IKW ist der Anteil von Mikroplastikpartikeln aus Reinigungsmitteln in den Gewässern in Relation zum Gesamteintrag von festen Kunststoffen sehr niedrig und beträgt in Deutschland weniger als 0,15 Prozent.

Mikroplastikpartikel, die als solche gezielt in Produkten eingesetzt werden, nennt man primäres Mikroplastik. Der weitaus größte Teil des Mikroplastiks stammt jedoch aus Plastikmüll, der ins Meer gelangt ist und dort über die Zeit in immer kleinere Teile zerfällt. Zudem wird beispielsweise auch Reifenabrieb in signifikanten Mengen über die Flüsse ins Meer transportiert. Solche Mikroplastikpartikel werden als sekundäres Mikroplastik bezeichnet.

Von primärem Mikroplastik abzugrenzen sind die Polymere, die nicht als Partikel im Produkt vorliegen. Sie übernehmen insbesondere in Wasch- und Maschinengeschirrspülmitteln wichtige Funktionen. Nachfolgend wird dies anhand von zwei Beispielen beschrieben:

1. Die sogenannten Polycarboxylate sind die mengenmäßig größte Gruppe solcher Polymere. Sie erleichtern das Ablösen von Schmutz, halten gelösten Schmutz im Wasser und verhindern Kalkablagerungen auf Wäsche, Spülgut und in den Wasch- und Spülmaschinen. Polycarboxylate werden zu Anteilen von 25 bis 89 Prozent in Kläranlagen eliminiert. Für die in Oberflächengewässer gelangenden Mengen an Polycarboxylaten ergibt die Sicherheitsbeurteilung, dass diese Mengen für Gewässer und ihre Lebewesen unbedenklich sind.

2. Für die Hülle von vordosierten Wasch- und Reinigungsmitteln, sogenannten Gelkapseln oder auch bestimmten Tabletten (Tabs), wird Polyvinylalkohol-Folie eingesetzt. Dieses Polymer ist wasserlöslich und inhärent biologisch abbaubar. Auch für die Mengen an gelöstem Polyvinylalkohol, die in Oberflächengewässer gelangen, ergibt die Sicherheitsbeurteilung, dass sie für Gewässer und ihre Lebewesen unbedenklich sind.

Die Hersteller von Wasch- und Reinigungsmitteln tragen die Verantwortung, dass die den Verbrauchern zur Verfügung gestellten Produkte für Mensch und Umwelt sicher sind. Dieser Verpflichtung kommen sie durch freiwillige Initiativen und im Rahmen der umfangreichen gesetzlichen Regelungen nach.

Die Stellungnahme kann hier als pdf-Datei heruntergeladen werden.