Tierversuche und Alternativmethoden

    Werden kosmetische Fertigprodukte im Tierversuch getestet?

    Nein. Die deutsche Kosmetik-Industrie verzichtet bereits seit 1989 freiwillig auf Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte. Seit September 2004 sind diese EU-weit verboten. Darüber hinaus ist es verboten, kosmetische Mittel zu vermarkten, wenn das Produkt zur EU-kosmetikrechtlichen Absicherung  am Tier getestet wurde.

    Werden Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten im Tierversuch getestet?

    Tierversuche für Inhaltsstoffe von Kosmetikprodukten sind in der EU seit 2009 verboten. Auch die Vermarktung kosmetischer Produkte ist verboten, wenn die Inhaltsstoffe zur EU-kosmetikrechtlichen Absicherung im Tierversuch getestet wurden. Nur für drei Sicherheitsaspekte, so genannte Endpunkte, gab es bis zum 11. März 2013 noch eine Ausnahme, da es für diese noch keinerlei Alternativmethoden gibt.

    Was hat sich am 11. März geändert?

    Am 11. März 2013 endete die Übergangsfrist, die bei der EU-kosmetikrechtlichen Bewertung von Inhaltsstoffen für drei Sicherheitsaspekte, so genannte Endpunkte, einen Tierversuch außerhalb der EU noch zuließ. Unabhängige wissenschaftliche Expertengremien haben festgestellt, dass es für bestimmte Sicherheitsfragen noch keine ausreichenden Alternativmethoden gibt, die von der Kosmetik-Industrie genutzt werden können.

    Was genau heißt das? Welche Produkte dürfen nicht mehr vermarktet werden?

    Seit 2009 dürfen in der EU zur kosmetikrechtlichen Absicherung keine Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte und deren Inhaltsstoffe durchgeführt werden. Wenn außerhalb der EU zu bestimmten Sicherheitsfragen für einen Produktinhaltsstoff zur Erfüllung der Anforderungen der EG-Kosmetik-Richtlinie ein Tierversuch durchgeführt wurde, durfte das Produkt in der EU aber noch vermarktet werden. Auch das ist seit dem 11. März 2013 nicht mehr möglich. Allerdings müssen alle Inhaltsstoffe auch weiter nach chemikalienrechtlichen Vorgaben abgesichert werden.

    Wie sind die deutschen Kosmetikunternehmen auf das noch weitergehende Vermarktungsverbot vorbereitet?

    Die Hersteller werden auch weiterhin nur sichere Inhaltsstoffe einsetzen. Mittel- bis langfristig könnte allerdings die Entwicklung neuer Stoffe schwieriger werden. Denn noch längere Zeit werden für ein paar wenige, aber sehr wichtige Sicherheitsfragen keine Alternativmethoden vorliegen. Dazu ist  weitere Forschung erforderlich. Dies wird von allen Beteiligten so gesehen. Dieser Umstand könnte auch Auswirkungen auf bereits eingesetzte Inhaltsstoffe haben, wenn neue, beispielsweise von Wissenschaftlern oder Behörden aufgebrachte Nachfragen zur Sicherheit dieser Inhaltsstoffe nur durch einen Tierversuch beantwortet werden können.

    Wie steht der IKW zum generellen Tierversuchsverbot, zumal es ja offensichtlich noch keine ausreichenden Alternativmethoden gibt?

    Der IKW unterstützt das Tierversuchsverbot für kosmetische Produkte seit vielen Jahren. So verzichtet die deutsche Kosmetik-Industrie bereits seit 1989 freiwillig auf Tierversuche für Fertigprodukte. Seit 2004 sind diese EU-weit verboten. Die Kosmetik-Industrie möchte dem Verbraucher aber auch weiterhin nicht nur sichere, sondern auch innovative Produkte anbieten können. Mittel- bis langfristig könnte allerdings die Entwicklung neuer Stoffe schwieriger werden. Denn noch längere Zeit werden für ein paar wenige, aber wichtige Sicherheitsfragen keine Alternativmethoden vorliegen. Dazu ist  weitere Forschung erforderlich. Dies wird von allen Beteiligten so gesehen.

    Wie bewertet der IKW die Haltung der EU-Kommission dazu?

    Die Kosmetik-Industrie nimmt zur Kenntnis, dass das Vermarktungsverbot für Kosmetikprodukte, deren Inhaltsstoffe zur EU-kosmetikrechtlichen Absicherung im Tierversuch getestet werden, zum gegenwärtigen Zeitpunkt endgültig in Kraft tritt. Noch längere Zeit werden – und hier besteht Einigkeit -  für ein paar wenige, aber sehr wichtige Sicherheitsfragen keine alternativen Testmethoden vorliegen. Diese wissenschaftliche Tatsache lässt das Verbot außer Acht. Die deutsche Kosmetik-Industrie gilt zu Recht als eine der innovativsten Industrien überhaupt. Das Verbot kann die Innovationskraft der Kosmetik-Industrie hemmen, und die Kosmetik-Industrie in der EU könnte dadurch gegenüber anderen Märkten schlechter gestellt sein.

    Das Verbot gilt jetzt in Europa, aber wie sieht das in anderen Teilen der Welt aus? Warum setzt die Kosmetik-Industrie dort immer noch Tierversuche ein?

    Es gibt weltweit Gesetze zur Sicherheit von kosmetischen Fertigprodukten und deren Inhaltsstoffen, die Tierversuchsdaten erfordern. Das Verkaufsverbot für Kosmetikprodukte wird daher gesetzlich vorgeschriebene Tierversuche an Inhaltsstoffen in Drittländern nicht verhindern. Dies wäre nur möglich, wenn weltweit anerkannte Alternativmethoden zu Tierversuchen zur Verfügung stehen. In China gibt es für bestimmte Produktkategorien, wie zum Beispiel kosmetische Mittel, formale Zulassungsverfahren. Diese schreiben auch die Durchführung experimenteller Untersuchungen einschließlich Tierversuche zwingend vor. Diese Experimente werden an offiziell akkreditierten Instituten durchgeführt. Die Hersteller können weder die Auswahl der  Testinstitute noch der Testmethoden beeinflussen.

     

    Ähnlich ist es für bestimmte Produktgruppen (z.B. so genannte OTC-Drugs) in den USA. Diese Regelungen sind völlig unabhängig von der Gesetzgebung in der EU.

    Müssen Produkte, die Inhaltsstoffe enthalten, die im Tierversuch getestet wurden, nach dem 11. März 2013 vom Markt genommen werden?

    Nein, das Vermarktungsverbot gilt nur für Versuche, die zur EU-kosmetikrechtlichen Absicherung ab dem 11. März 2013 durchgeführt werden.

    Warum verwendet die Kosmetik-Industrie keine Alternativmethoden?

    Die Kosmetik-Industrie belegt, wo immer möglich, die Sicherheit ihrer Inhaltsstoffe durch vorhandene Daten oder alternative Testmethoden, Ziel ist es, Tierversuche möglichst zu vermeiden. Ein Tierversuch ist für die Kosmetik-Industrie daher immer nur die letzte Option, um die Sicherheit eines Inhaltsstoffes zu belegen. Zu einigen Tests gibt es bereits vom Gesetzgeber anerkannte Alternativmethoden, die dann zur Sicherheitsbewertung auch zum Einsatz kommen. In anderen Bereichen sind Alternativmethoden noch nicht vollständig validiert und von den Behörden anerkannt. Hier fordert der Gesetzgeber noch einen Sicherheitsnachweis. Zu einigen wenigen, aber sehr wichtigen Sicherheitsfragen sind noch keine ausreichend aussagekräftigen Alternativmethoden vorhanden. Dazu bedarf es noch weiterer Forschung. Die Kosmetik-Industrie setzt sich aktiv dafür ein, dass alternative Testmethoden vom Gesetzgeber anerkannt werden und der lange Prozess bis zur Anerkennung beschleunigt wird. Alternativmethoden sind meist schneller und kostengünstiger.

    Da noch nicht in allen Bereichen aussagefähige Alternativmethoden zur Verfügung stehen, bedeutet das, dass die Kosmetikprodukte, die ich demnächst kaufe, nicht mehr genügend abgesichert sind?

    Nein. Nur Produkte, deren Inhaltsstoffe umfangreich abgesichert wurden, kommen auf den Markt und dürfen verkauft werden. Das ist so und wird auch so bleiben.

    Wie innovativ können Kosmetikprodukte zukünftig aus Sicht des IKW noch sein, wenn erforderliche Alternativmethoden noch nicht vorliegen, Inhaltsstoffe damit nicht mehr umfassend getestet und bewertet werden können?

    Die deutsche Kosmetik-Industrie gilt zu Recht als eine der innovativsten Industrien überhaupt. Aber: Mittel- bis langfristig könnte die Zahl innovativer Kosmetik-Produkte zurückgehen, und die Kosmetik-Industrie in der EU dadurch gegenüber anderen Märkten schlechter gestellt sein, Denn noch längere Zeit werden für ein paar wenige, aber sehr wichtige Sicherheitsfragen keine Alternativmethoden vorliegen. Dazu ist  weitere Forschung erforderlich. Dies wird von allen Beteiligten so gesehen. Das könnte dazu führen, dass neue innovative Produkte nur noch außerhalb der EU angeboten werden können. Das Fehlen der Alternativmethoden könnte auch Auswirkungen auf bereits eingesetzte Inhaltsstoffe haben, wenn neue, beispielsweise von der Wissenschaft oder von Behördenseite aufgebrachte Fragen zur Sicherheit dieser Inhaltsstoffe nur durch einen Tierversuch beantwortet werden können.

    Warum haben die Unternehmen erst dann Alternativmethoden entwickelt als sie dazu gesetzlich gezwungen worden sind?

    Das ist nicht richtig. Die Kosmetik-Industrie unterstützt seit vielen Jahrzehnten die Entwicklung von Alternativmethoden. Erste Veröffentlichungen gibt es bereits seit Ende der 1980er Jahre. Die Kosmetik-Industrie muss seit dem 11. März 2013 zur EU-kosmetikrechtlichen Absicherung vollständig auf Tierversuche verzichten. Sie setzt sich daher auch weiter aktiv dafür ein, dass alternative Testmethoden vom Gesetzgeber anerkannt werden und der lange Prozess bis zur Anerkennung beschleunigt wird. Alternativmethoden sind meist schneller und kostengünstiger. Der IKW selbst engagiert sich als Gründungsmitglied in der 1986 auf Initiative der Bundesregierung gegründeten „Stiftung zur Förderung der Erforschung von Ersatz- und Ergänzungsmethoden zur Einschränkung von Tierversuchen“ (SET).

     

    Die Entwicklung von Alternativmethoden wird auch von der "European Partnership on Alternative Approaches to Animal Testing" (EPAA) verfolgt, an der die deutsche Kosmetik-Industrie über den europäischen Dachverband Cosmetics Europe aktiv beteiligt ist. Die im November 2005 von der EU-Kommission gemeinsam mit der Industrie gegründete „Europäische Partnerschaft zur Förderung alternativer Ansätze zu Tierversuchen“ bezieht auch weitere wichtige Stakeholder, wie zum Beispiel Tierschutzorganisationen, in ihre Aktivitäten mit ein.

    Gibt es tierversuchsfreie Kosmetik?

    Kosmetische Fertigprodukte werden in Deutschland schon lange nicht mehr getestet und dürfen auch gar nicht mehr getestet werden: Bereits seit 1989 verzichtet die deutsche Kosmetik-Industrie freiwillig auf Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte. Seit September 2004 sind diese EU-weit verboten. Darüber hinaus ist es verboten, kosmetische Mittel zu vermarkten, wenn das Produkt zur kosmetikrechtlichen Absicherung am Tier getestet wurde. Insofern sind alle Kosmetikprodukte in Europa gleichermaßen „tierversuchsfrei“.

     

    Allerdings müssen alle Inhaltsstoffe, auch wenn sie in kosmetischen Mitteln eingesetzt werden, nach den chemikalienrechtlichen Vorgaben abgesichert werden. Insofern wurde jeder Stoff irgendwann mindestens einmal im Tierversuch getestet. In diesem Sinne kann daher - auch nach Inkrafttreten des generellen Tierversuchsverbotes - von keinem Kosmetikprodukt gesagt werden, dass es „tierversuchsfrei“ ist.

    Warum können viele Unternehmen tierversuchsfreie Kosmetikprodukte anbieten, andere aber nicht?

    Im Prinzip sind alle Kosmetikprodukte „tierversuchsfrei“, denn die deutsche Kosmetik-Industrie verzichtet bereits seit 1989 freiwillig auf Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte. Seit September 2004 sind diese EU-weit verboten. Darüber hinaus ist es verboten, kosmetische Mittel in der EU zu vermarkten, wenn das Produkt zur EU-kosmetikrechtlichen Absicherung am Tier getestet wurde.

     

    Alle eingesetzten Inhaltsstoffe müssen aber nach den chemikalienrechtlichen Vorgaben abgesichert werden, ansonsten dürfen sie nicht eingesetzt werden. Sofern noch keine anerkannten Alternativmethoden oder vorhandene Sicherheitsdaten zur Verfügung stehen, wurde die Sicherheit des Stoffes in einem Tierversuch überprüft. Insofern wurde jeder Inhaltsstoff irgendwann mindestens einmal im Tierversuch getestet. In diesem Sinne kann daher - auch nach Inkrafttreten des generellen Tierversuchsverbotes - von keinem Kosmetikprodukt gesagt werden, dass es „tierversuchsfrei“ ist.

     

    Sicherheitstests für einzelne Inhaltsstoffe werden in der Regel nicht von den Kosmetikherstellern durchgeführt, sondern von den Rohstoffherstellern. Ein Kosmetikhersteller, der ein Produkt als tierversuchsfrei bezeichnet, möchte daher vielleicht nur darauf hinweisen, dass er selbst keine Tierversuche gemacht oder in Auftrag gegeben hat. Andere Kosmetikhersteller weisen darauf hin, dass sie nur Inhaltsstoffe einsetzen, die ab einem bestimmten Stichtag nicht getestet worden sein sollen.

     

    Nach einer am 7. Juni 2006 veröffentlichten Empfehlung der EU-Kommission darf die Aussage, es seien keine Tierversuche durchgeführt worden, nur verwendet werden, wenn bei der Entwicklung oder Sicherheitsbewertung eines kosmetischen Mittels oder seiner Rohstoffe Tierversuche vollständig durch alternative Methoden ersetzt wurden. Dabei wird klargestellt, dass es unerheblich ist, wo und wann ein „wie auch immer gearteter Tierversuch“ durchgeführt wurde. Ferner gilt insbesondere zu Tierversuchen Dritter, dass für die eingesetzten Stoffe „beispielsweise in der wissenschaftlichen Literatur“ keine Daten vorliegen dürfen, „die aus Tierversuchen stammen, die von Dritten zum Zweck der Entwicklung kosmetischer Mittel durchgeführt wurden“. Da der Verwender einer „tierversuchsfrei“-Aussage deren Richtigkeit nachweisen muss, wird er sich daher regelmäßig leicht dem Vorwurf der Irreführung aussetzen.

    Warum finde ich auf der Website des IKW keine Liste mit tierversuchsfreien Kosmetikprodukten?

    Da Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte schon seit dem Jahr 2004 verboten sind, sind alle Kosmetikprodukte in diesem Sinne seit 2004 „tierversuchsfrei“. Alle Inhaltsstoffe müssen jedoch chemikalienrechtlich abgesichert werden. Insofern wurde jeder Stoff irgendwann mindestens einmal im Tierversuch getestet. In diesem Sinne kann daher von keinem Kosmetikprodukt gesagt werden, dass es „tierversuchsfrei“ ist, auch nach Inkrafttreten des generellen Tierversuchsverbotes. Eine solche Liste wäre daher eine Irreführung des Verbrauchers.

    Es gibt tausende von Inhaltsstoffen, die heute bereits eingesetzt werden. Warum reichen die nicht aus, um neue Produkte zu entwickeln?

    Kosmetikprodukte müssen weiterentwickelt werden, denn genauso wie z. B. in der Automobil- oder Lebensmittelbranche ändern sich die Verbraucherbedürfnisse. So stehen wir der Herausforderung einer immer älter werdenden Gesellschaft gegenüber, die beispielsweise besondere Pflegebedürfnisse hat. Auch bedarf es neuer Wirkstoffe, wie etwa von UV-Filtern zum Schutz vor der Sonne, Umwelteinflüssen oder Stoffen, die der Hautalterung entgegenwirken. Zudem sollen die Produkte noch weiter verbessert werden, etwa hinsichtlich ihrer Anwendungseigenschaften, ihrer Verträglichkeit und Nachhaltigkeit. Außerdem gibt es immer wieder wichtige neue wissenschaftliche Erkenntnisse, die auch für die Kosmetik relevant sind. Dafür werden entsprechende Wirkstoffe benötigt, wie z.B. effektive Konservierungsstoffe, die noch besser gegen Keime wirken. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, sind neue Inhaltsstoffe notwendig.

    Geht es auch ohne Tierversuche?

    Für kosmetische Fertigprodukte ja. Die deutsche Kosmetik-Industrie verzichtet bereits seit 1989 freiwillig auf Tierversuche für kosmetische Fertigprodukte. Seit September 2004 sind diese EU-weit verboten. Seit 2009 dürfen in der EU zur kosmetikrechtlichen Absicherung auch keine Tierversuche für kosmetische Inhaltsstoffe durchgeführt werden. Allerdings müssen alle Inhaltsstoffe auch weiter nach den chemikalienrechtlichen Vorgaben abgesichert werden.  Ansonsten dürfen sie nicht eingesetzt werden.

    Welche Alternativmethoden gibt es heute?

    Zu einigen Tests gibt es bereits vom Gesetzgeber anerkannte Alternativmethoden, z. B. zur Phototoxizität oder zur Hautpenetration, mit der Tierversuche vollständig ersetzt werden können. In anderen Bereichen gibt es Alternativmethoden, die aber noch nicht vollständig validiert und vom Gesetzgeber anerkannt sind, z. B. im Bereich der Augenreizung. In wiederum anderen Bereichen, z. B. bei der so genannten Karzinogenität, sind noch keine ausreichend aussagekräftigen Alternativmethoden vorhanden. Hier bedarf es noch weiterer Forschung.

    Warum wollte die Kosmetik-Industrie die Frist verschieben?

    Die Kosmetik-Industrie hat keine Initiative ergriffen, um die Frist zu verschieben. Fakt ist aber, dass noch längere Zeit – und hier besteht Einigkeit -  für ein paar wenige, aber sehr wichtige Sicherheitsfragen keine alternativen Testmethoden vorliegen werden.

    An welchen Tieren werden Tierversuche für chemische Stoffe durchgeführt?

    Tierversuche für chemische Stoffe werden in den allermeisten Fällen an Mäusen und Ratten durchgeführt.

    Sind Tierversuche grausam?

    Es ist das erklärte Ziel der Kosmetikhersteller, dass die Tiere nicht leiden. Aus diesem Grunde arbeitet die Industrie streng nach dem so genannten 3R Prinzip (Refine = verfeinern, Reduce = vermindern, Replace = ersetzen), um Tierversuche bzw. die Belastung der Versuchstiere zu vermeiden oder zu verringern. Nähere Informationen findet man hier.


    Ziel ist es, sobald als möglich auf Tierversuche vollständig verzichten zu können.

    Wie verträgt sich der Einsatz von Tierversuchen mit dem ethischen Anspruch der Kosmetik-Industrie?

    Das oberste Ziel und die oberste Verpflichtung der Kosmetik-Industrie ist es, dem Verbraucher sichere Produkte anzubieten. Darauf hat er einen Anspruch. Daher ist es besonders wichtig, nur solche Inhaltsstoffe einzusetzen, die auch sicher sind. Der Test eines Inhaltsstoffs im Tierversuch ist für die Industrie immer nur die letzte Option, um die Sicherheit eines Stoffs zu belegen.

    Hat die Kosmetik-Industrie kein Mitleid mit den armen Kaninchen, die für die Schönheit gequält werden?

    Die Kosmetik-Industrie würde die gesundheitliche Unbedenklichkeit der eingesetzten Inhaltsstoffe schon heute gerne global vollständig ohne Tierversuche belegen können. Ein Tierversuch ist für die Industrie immer die letzte Option, um die Sicherheit eines Inhaltsstoffes zu belegen. Alternativmethoden sind meist schneller und kostengünstiger.

     

    Tests von Kosmetikprodukten an Kaninchen werden schon seit vielen Jahren nicht mehr durchgeführt. Die Kosmetik-Industrie setzt sich grundsätzlich dafür ein, dass die wenigen Tierversuche, die weltweit mit Inhaltsstoffen derzeit noch (fast ausschließlich an Mäusen und Ratten) durchgeführt werden, schmerzfrei sind. Vorrangiges Ziel ist es aber, Tierversuche wo immer möglich zu vermeiden. Die Kosmetik-Industrie arbeitet daher unverändert intensiv daran, dass alternative Testmethoden vom Gesetzgeber anerkannt werden und der lange Prozess bis zur Anerkennung beschleunigt wird.

    Warum dauert die Entwicklung von Alternativmethoden so lange?

    In der Regel ersetzen mehrere Alternativmethoden einen Tierversuch. Zudem müssen sie auch die gesamten Stoffwechselprozesse mitberücksichtigen, was mit einem enormen Aufwand verbunden ist. Für jede entwickelte Alternativmethode muss zunächst durch eine so genannte Validierung belegt werden, dass sie dem Tierversuch gleichwertig ist. Im Anschluss müssen diese Daten den Behörden vorgelegt werden, die die Alternativmethode anerkennen müssen. Erst dann darf eine Alternativmethode routinemäßig angewandt werden.

    Warum gibt die Kosmetik-Industrie viel Geld für Werbung und teure Verpackungen aus, nicht aber für die Entwicklung von Alternativmethoden?

    Die Kosmetik-Industrie beteiligt sich seit vielen Jahren mit zweistelligen Millionenbeträgen an der Entwicklung von Alternativmethoden und gilt seit Jahrzehnten als Vorreiter in diesem Bereich. Erfolge lassen sich aber nur bedingt vorhersehen. Wissenschaftliche Alternativmethoden benötigen sehr viel Zeit, Forschung und Kreativität. Daher sind Investitionen zwar wichtig, aber nur ein Faktor von vielen anderen.

    Was haben die Alternativmethoden bislang gebracht?

    Die Zahl der Tierversuche wurde durch die Entwicklung und Anerkennung von Alternativmethoden reduziert, z. B. bei der Hautpenetration in den letzten Jahren auf Null. Weitere intensive Anstrengungen folgen, um letztlich sämtliche Tests durch Alternativmethoden ersetzen zu können. So wird die Entwicklung von Alternativmethoden von der "European Partnership on Alternative Approaches to Animal Testing" (EPAA) verfolgt, an der die deutsche Kosmetik-Industrie über den europäischen Dachverband Cosmetics Europe aktiv beteiligt ist. Der Anteil der Tiere an allen Tierversuchen in Europa, die für Inhaltsstoffe für kosmetische Produkte eingesetzt wurden, ist so schon vor Inkrafttreten des Verbots im Jahr 2009 auf 0,0125% gesunken.

    Welche Alternativmethoden gibt es noch nicht und warum?

    Vor allem für die Sicherheitsprüfungen, die komplexe Stoffwechselvorgänge beinhalten, wie Karzinogenität, chronische Toxizität, Reproduktionstoxizität und Sensibilisierung, gibt es noch keine ausreichend aussagekräftigen Alternativmethoden. Teilweise sind mögliche Methoden allerdings schon in der Validierungsphase, sprich Bewertungsphase.

    Wann wird es für alle Tests Alternativmethoden geben?

    Das ist nach Meinung aller Beteiligten derzeit nicht abzuschätzen. Während es für Bereiche wie die Augenreizung oder Sensibilisierung absehbar ist, dass es in naher Zukunft anerkannte Alternativmethoden geben wird, ist dies bei der Karzinogenität noch nicht der Fall.

    Wenn es für alle Tests Alternativmethoden gibt, wird die Kosmetik-Industrie dann auf Tierversuche vollständig verzichten?

    Selbstverständlich. Die Industrie würde lieber heute als morgen vollständig auf Tierversuche verzichten und nur noch Alternativmethoden anwenden. Alternativmethoden sind meist schneller und kostengünstiger.

    In Kürze – Tierversuche

    Eine kompakte Zusammenfassung zum Thema Tierversuche finden Sie hier zum Herunterladen.

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