Palmöl und Palmkernöl

Die Ölpalme ist Lieferant für zwei unterschiedliche Öle: Aus den Früchten der Ölpalme wird das Palmöl gewonnen, aus den Kernen der Früchte stammt das sogenannte Palmkernöl. Bei diesen Ölen gibt es sowohl in der chemischen Zusammensetzung als auch bei der Nutzung deutliche Unterschiede. Palmöl, das ca. 90 Prozent der gesamten Ölmenge ausmacht, wird vor allem in der Nahrungsmittelindustrie verwendet. Palmkernöl, die restlichen 10 Prozent, wird hier hingegen weniger eingesetzt.

Palmöl oder Palmkernöl selbst werden eher selten als Inhaltsstoffe kosmetischer Mittel verwendet, sie sind jedoch Basisstoffe für eine ganze Palette von Kosmetik-Inhaltsstoffen. Palmkernöl ist vor allem ein wichtiger Rohstoff für Tenside (die waschaktiven Substanzen in Kosmetikprodukten wie Shampoo oder Duschgel). Alternativen zu Palmkernöl wären beispielsweise Mineralöl oder Erdgas. Um die begrenzt verfügbaren, fossilen und kohlendioxidintensiven Rohstoffe Erdöl und Erdgas zu schonen, setzen viele Kosmetikhersteller gezielt Inhaltsstoffe auf Basis nachwachsender Rohstoffe ein, wenn dies unter Berücksichtigung von ökologischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekten möglich ist. Die in Mitteleuropa erzeugten Pflanzenöle wie z. B. Öle aus Raps oder Sonnenblumenkernen sind dabei zur großtechnischen Tensidproduktion nicht geeignet. Neben der Basis für Tenside wird weiterverarbeitetes Palm(kern)öl in Form von Emulgatoren, Ölkomponenten und weiteren Inhaltsstoffen wie zum Beispiel Glycerin in Kosmetika eingesetzt.

Ob Palmöl oder Palmkernöl in einem kosmetischen Produkt enthalten ist, ist immer dann eindeutig durch die INCI-Kennzeichnung erkennbar, wenn es sich um einen direkt aus einem dieser Öle gewonnen Inhaltsstoff handelt. Viele Rohstoffe, die bei der Formulierung kosmetischer Mittel eingesetzt werden, sind jedoch mehrfach weiterverarbeitet. Das betrifft auch Palmöl oder Palmkernöl. Dabei werden in vielen Fällen aber in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit und vom jeweiligen Rohstoffhersteller auch andere Öle alternativ eingesetzt. Für eine Reihe von Inhaltsstoffen gilt daher, dass sie zum Teil auf Basis von Palm(kern)öl hergestellt worden sein können, aber nicht müssen. In diesen Fällen ist es dann nicht möglich, aufgrund der INCI-Bezeichnungen eine eindeutige Aussage darüber zu treffen, ob die Inhaltsstoffe auf Palmöl oder Palmkernöl basieren oder nicht.

Die Kosmetikindustrie verfolgt die aktuelle Diskussion um Palmöl und Palmkernöl sehr aufmerksam und ist daran interessiert, die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte stetig zu verbessern. Viele Hersteller kosmetischer Produkte engagieren sich daher auf vielfältige Weise für eine nachhaltige Palmölwirtschaft.

Wenn sie nachhaltig angebaut werden, können Palmen ökologisch effiziente Ölpflanzen sein, die im Vergleich zu anderen Pflanzen eine minimale Fläche für eine maximale Ölproduktion benötigen. Alternativen zu Palm(kern)öl wären z. B. Sojaöl, Kokosnussöl und andere Pflanzenöle. Würde die Kosmetikindustrie auf die Verwendung von Palm(kern)öl verzichten, würde sich die Nachfrage hin zu anderen Pflanzenölen verschieben, für deren Anbau aber mehr Platz benötigt wird. Deshalb ist der nachhaltige Anbau entscheidend – egal bei welcher Ölpflanze. Palmöl ist flächenmäßig das ertragreichste pflanzliche Öl (bis zu sieben Tonnen Öl pro Hektar; Sonnenblumen und Raps bis zu maximal zwei Tonnen Öl pro Hektar) und daher – bei klar definierten Vorgaben beim Anbau – die langfristig nachhaltigere Alternative.

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