Nicht ohne mein Deo

Neben dem Smartphone gibt es noch einige andere Dinge, auf die Jugendliche im Alltag nicht verzichten möchten. Dazu gehört überraschenderweise auch das Deo.

Wie kommt das?

Gerade der mit dem Beginn der Pubertät stärker riechende eigene Köpergeruch ist den Jugendlichen eher peinlich. Die allermeisten empfinden ihn gar bei sich und anderen als eklig. Das Gefühl, unangenehm zu riechen, soll auf jeden Fall verhindert werden. Im Extremfall werden Jugendliche sogar wegen ihres Schweißgeruches gemobbt – und sie mobben andere dafür.

Ohne Deo gehen daher die meisten Jugendlichen gar nicht erst aus dem Haus. Es ist auch in Sport- und Schultaschen ein ständiger Begleiter, der hilft, die unliebsamen Begleiterscheinungen des Erwachsenwerdens zu kontrollieren. 83 Prozent der in der Studie befragten Jugendlichen nutzen Deo daher täglich beziehungsweise mehrmals täglich. Dies sind die Ergebnisse einer tiefenpsychologisch-repräsentativen Studie mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Auftrag des IKW.

Bildnachweis: Dan Race/fotolia

Für 81 Prozent kann Deo sogar dazu dienen, das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Und dies hat einen psychologisch interessanten Hintergrund. Der eigene Körpergeruch ist eng geknüpft an die in der Pubertät aufkeimende Sexualität. In der Pubertät wird es den jungen Menschen im tatsächlichen wie übertragenen Sinne häufiger ‚heiß‘. Erkennbar ist das am Körpergeruch. Die Jugendlichen verspüren, was sie ausstrahlen. Anziehung und Ablehnung wird nicht zuletzt an den Pheromonen festgemacht. Mit Hilfe des Deos soll also nicht nur der eigene Geruch kaschiert und ein „idealer“, anziehender Duft verbreitet werden. Auch die verräterischen Pheromone sollen überdeckt werden. Das verleiht den Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht nur mehr Sicherheit im Umgang mit Freunden. Auch beim Zusammentreffen mit dem andern Geschlecht gehen sie damit auf Nummer sicher, vermeiden Peinlichkeiten und das Risiko, dass man sie ablehnt, weil man sie nicht riechen kann.

Wie deutlich Geruch und Erwachsenwerden zusammenhängt, erkennt man auch daran, dass Deo kein seltener Streitpunkt zwischen Eltern und Kindern ist: Die Eltern mögen den neuen (Deo-)Geruch oft nicht oder empfinden ihn als extrem übertrieben – daher verwenden die jungen Leute es häufig in ihrem eigenen Zimmer oder gar erst vor der Haustür.

Das sagen die Jugendlichen:

„Deo ist alltäglich.“

„Wenn ich mit der Freundin zusammen bin, will ich nicht stinken.“

„Wir legen auch Zettel auf den Tisch, wenn einer stinkt: 'Kauf Dir ein Deo.' – Man wird leicht gemobbt.“ 

„Der Duft (Deo) gibt auch eine Sicherheit.“

„Mein Vater sagt immer, das Zeug stinkt und ich benutze es zu viel – ich darf das nur im Zimmer.“

So spielt Deo schon relativ früh eine relevante Rolle im Alltag der Jugendlichen. Spätestens ab der weiterführenden Schule werden Deos regelmäßig angewendet. Ein Rund-um-die-Uhr-Schutz ist dabei sehr wichtig. Morgens, mittags, abends und auch zwischendurch.

Gibt es etwas, das für die Jugendlichen fast genauso peinlich ist wie Körpergeruch?

Ja – für die in der Studie befragten Jungen und Mädchen stehen fettige Haare neben Körpergeruch ganz weit oben auf der Peinlichkeitsskala. Hierzu gibt es demnächst eine weitere Veröffentlichung aus der Studie.

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