Kunststoffe in kosmetischen Mitteln

In Medien und Fachöffentlichkeit wird vermehrt über die zunehmende Verunreinigung von Ozeanen mit Kunststoffen und Kunststoffpartikeln (so genanntes Mikroplastik) berichtet. Unter anderem wird dabei die Einschätzung vertreten, dass kosmetische Mittel eine relevante Quelle für den Eintrag von Kunststoffpartikeln in Gewässer seien.

Oftmals wird in den Berichten nicht eindeutig zwischen Kunststoffen in gelöster Form und festen Kunststoffpartikeln unterschieden.

Feste Kunststoffpartikel unterscheiden sich von gelösten Polymeren sowohl durch Größe und Form als auch durch ihre physikalisch-chemischen Eigenschaften. Eine Verallgemeinerung, die beide Bereiche gleichermaßen betrifft, ist somit nicht gerechtfertigt. Feste Partikel sind nur in einigen kosmetischen Mitteln enthalten. So werden bzw. wurden sie z. B. in manchen Produkten zur Körper- oder Gesichtsreinigung eingesetzt, wenn das Produkt einen speziellen Peeling-Effekt aufweisen soll oder Hautreinigungs-Produkte für starke Verschmutzungen im gewerblichen Bereich verwendet werden. In der Vergangenheit kamen sie auch in wenigen speziellen Zahnpasten zur Anwendung.

Gelöste Polymere übernehmen beispielsweise in Haarstyling- und Make-up-Produkten wichtige Funktionen. So wäre ein effektiver Hitzeschutz beim Haarstyling oder eine gute Abdeckungswirkung bei Make-ups ohne diese Polymerverbindungen nicht möglich. Diese Stoffe haben mit Kunststoffpartikeln nichts zu tun und liegen beim Auswaschen oder Abschminken wieder gelöst vor und werden entfernt. Nach heutigem Wissensstand tragen sie nicht zur Belastung der Meere mit festen Kunststoffpartikeln bei.

Nach Kenntnis des IKW ist der Anteil von Kunststoffpartikeln aus kosmetischen Mitteln in den Gewässern in Relation zum Gesamteintrag von Kunststoffen sehr gering. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass ihr Anteil am Gesamteintrag in die Nordsee gegenüber anderen vorhandenen Kunststoffmaterialien zwischen 0,1 und 1,5 Prozent beträgt. Zu einem vergleichbaren Ergebnis kommt auch eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes. Mikrokunststoffpartikel aus kosmetischen Mitteln, die ins Abwasser gelangen, werden in Kläranlagen überwiegend ausgefiltert. Die Kosmetikindustrie ist sehr daran interessiert, die Umweltverträglichkeit ihrer Produkte weiter zu verbessern. Wir sammeln und verwerten die entsprechenden Informationen und befinden uns deshalb kontinuierlich in Gesprächen mit den Umweltbehörden. Eine Übersicht zu dem aktuellen Forschungsstand finden Sie hier.

Der Austausch der Kunststoffpartikel ist ein komplexer Vorgang. Alternative Stoffe müssen im Hinblick auf Sicherheit, Wirksamkeit, Umweltverträglichkeit und Produktstabilität zunächst getestet werden, damit sie diesen Anforderungen genügen. Hierzu sind neben den Entwicklungsarbeiten umfangreiche Prüfungen erforderlich. (Ausführliche Informationen hierzu siehe im Artikel "Neue Inhaltsstoffe in kosmetischen Mitteln".) Die Hersteller kosmetischer Produkte arbeiten intensiv an Lösungen und mittlerweile sind für viele Anwendungen sichere und geeignete Alternativen auf dem Markt verfügbar. Cosmetics Europe, der europäische Dachverband der Kosmetikindustrie, empfiehlt seinen Mitgliedern daher, bis 2020 feste Kunststoffpartikel in Produkten, die wieder abgewaschen werden (wie z. B. Peelings), durch alternative Stoffe zu ersetzen. Viele Hersteller hatten sich bereits vorsorglich dafür entschieden, Produkte, die Mikrokunststoffpartikel enthalten, entsprechend zu überarbeiten.

Die Hersteller kosmetischer Mittel tragen die Verantwortung, dass die dem Verbraucher zur Verfügung gestellten Produkte für Mensch und Umwelt sicher sind. Dieser Verpflichtung kommen sie im Rahmen der umfangreichen gesetzlichen Regelungen weltweit nach.

Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Birgit Huber auf www.haut.de.

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