Kein Zusammenhang zwischen Haarfarben und Krebs

In den vergangenen Jahren wurde in der Presse immer wieder über Studien berichtet, die über einen möglichen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Haarfarben und Blasenkrebs spekulierten. Neuere wissenschaftliche Veröffentlichungen lassen keinen Zusammenhang zwischen Krebs und Haarfarben erkennen. Dies war auch das Ergebnis eines vom deutschen Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) organisierten Symposiums im Oktober 2009. So stellt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel fest: „Ein Krebsrisiko durch Haarfärbemittel besteht für Verbraucherinnen und Verbraucher nicht“ (Link zur Pressemitteilung). Auch Professor Dr. Thomas Platzek, Toxikologe am BfR, bestätigt im Interview mit der Zeitschrift „test“ (2013): „Nach aktuellem Wissensstand muss niemand befürchten, durch Haarfarben Blasenkrebs zu bekommen“. Bereits am 21. September 2010 hatte das wissenschaftliche Beratergremium der EU-Kommission (SCCS) einen Bericht vorgelegt, in dem es die Sicherheit der Haarfarben nach dem Mischen der zwei Ausgangsprodukte bewertet hat. Dabei kam das SCCS zu dem Schluss, dass von den derzeit in der EU vermarkteten Haarfarben kein erhöhtes Krebsrisiko ausgeht. Im Februar 2016 fasste die EU-Kommission die Ergebnisse von insgesamt 18 wissenschaftlichen Stellungnahmen des SCCS zu Haarfärbemitteln aus den Jahren 2013 bis 2016 zusammen und stellte fest, dass die EU der weltweit sicherste Markt für Haarfarben ist.


Die Studien im Detail:

- Eine Meta-Analyse an der McGill University in Montreal, die 79 verfügbare Studien prüfte, ergab kein erhöhtes Risiko zwischen dem Färben von Haaren und Krebs. (1)

- Eine Multicenter-Studie aus Spanien zeigte, dass kein Zusammenhang zwischen Blasenkrebs und Haare färben besteht. Hierbei wurden alle Arten von Haarfarben berücksichtigt. (2,3)

- Eine Studie der John A. Burns School, Hawaii, bestätigte die Sicherheit von Haarfarben. (4)

- Eine schwedische Kohortenstudie belegte, dass Friseure kein erhöhtes Blasenkrebsrisiko haben. (5)

- Die School of Public Health der Johns Hopkins University prüfte 83 epidemiologischen Studien, die zwischen 1993 and 2004 publiziert wurden. Diese Studie kam ebenfalls zu dem Schluss, dass kein kausaler Zusammenhang zwischen Haarfarben und Krebs besteht.

- Ein Übersichtsartikel der alle verfügbaren Literaturen evaluiert, beschreibt Rauchen und Exposition am Arbeitsplatz mit bestimmten aromatischen Aminen als die größten Umweltrisiken. Andere Bereiche, wie z. B. die Haarfarbverwendung werden mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mit einem Blasenkrebsrisiko in Verbindung gebracht. (6)

- Auch eine epidemiologische Studie von Lin et al. (September 2006) bestätigt, dass es keine Hinweise gibt, die die Verwendung von Haarfarben mit einem erhöhten Blasenkrebsrisiko in Verbindung bringt. (7) Zu dem gleichen Schluss kommen Bolt und Golka in einer 2007 veröffentlichten Studie. (8)

- Eine niederländische Fall-Kontroll-Studie aus dem Jahr 2012 sieht ebenfalls keine Verbindung zwischen dem Färben der Haare und einem erhöhten Blasenkrebsrisiko. (9)

- Eine Meta-Analyse der Universität Mailand bestätigte erneut (2014), dass kein Zusammenhang zwischen der Benutzung von Haarfarben und der Entstehung von Blasenkrebs erkennbar ist. (10)

- Eine weitere Studie zeigt, dass es auch keinen Zusammenhang zwischen der Verwendung von Haarfarben und der Entstehung von Lymphomen gibt. (11)

- Eine prospektive Kohortenstudie aus dem Jahre 2009, in der 70.000 chinesische Frauen über 7 Jahre begleitet wurden, zeigte keinen Zusammenhang zwischen der Anwendung von Haarfarben und verschiedenen Krebstypen. (12)

Mit diesen Studien werden die Aussagen früherer umfangreicher epidemiologischer Studien anerkannter Institutionen wie der American Cancer Society mit 570.000 und der Harvard-University mit 120.000 befragten Frauen untermauert. Hiernach besteht kein Zusammenhang zwischen der Anwendung von Haarfarben und dem Auftreten von Krebs. Bereits 1993 prüfte das IARC (The International Agency for Research on Cancer), eine Arbeitsgruppe der WHO (World Health Organization), die Aussagekraft von 78 publizierten epidemiologischen Studien zu Haarfarben und resümierte: kein Kausalzusammenhang zwischen Haare färben und einem erhöhten Krebsrisiko. Auch das CIR Expert Panel in Washington kommt zum Schluss, dass die verfügbaren Studien nicht ausreichen, um einen kausalen Zusammenhang zwischen Haare färben und Krebs herzustellen. (13)

Haarfarben sind kosmetische Mittel und unterliegen den umfangreichen und strengen Regelungen des europäischen Kosmetikrechts sowie den Kontrollen der zuständigen Überwachungsbehörden. Die Hersteller sind für die von ihnen vermarkteten Produkte verantwortlich und sichern die Haarfarbstoffe umfangreich toxikologisch ab. Diese Daten wurden im Rahmen einer freiwilligen Initiative dem unabhängigen, wissenschaftlichen Expertengremium (SCCS) der EU-Kommission vorgelegt. Dieses Gremium hat eine Absicherungsstrategie für Haarfarbstoffe entwickelt, da es nach eingehender Prüfung der Möglichkeiten und Aussagekraft weiterer epidemiologischer Studien zur Überzeugung kam, dass eine andere Absicherungsstrategie Ziel führender ist als eine zusätzliche epidemiologische Studie (14). Hierfür werden gegenwärtig alle in der EU verwendeten Haarfarbstoffe einer erneuten, äußerst umfangreichen Sicherheitsbewertung unterzogen und zudem bereits vorhandene Materialien genutzt. Die Industrie hat hierzu dem unabhängigen, wissenschaftlichen Expertengremium zahlreiche Prüfergebnisse nach den neuesten Richtlinien und wissenschaftlichen Erkenntnissen vorgelegt. Die Stellungnahme des SCCS vom 21. September 2010 (15) bestätigt die sichere Verwendung von Haarfarben in der EU.

Zusammengefasst: Haarfarben bieten bei sachgemäßen Gebrauch stets ein hohes Maß an Sicherheit für den Verbraucher.

____________________________

Literatur

(1) Takkouche B., Etminan M., and Montes-Martinez A. (2005)
Personal Use of Hair Dyes and Risk of Cancer – A Meta-analysis
Journal of the American Medical Association 293, 2516-2525

(2) Kogevinas M, Marcos R, Garcia-Closas M, Tardon A, Garcia-Closas R, Serra C, Carrato A, Fernandez F, Espinoza F, Castano-Vinyals G, Rothman N, Yeager M, Chanock S, Lloreta J Real F, Dosemici M, Malats N, and Silverman D. (2005)
Hair dye use and genetic variation in relation to micronuclei in urothelial cells and bladder cancer risk in Spanish women
Proceedings of the American Association of Cancer Research 46, 517

(3) Kogevinas M, Fernandez F, Garcia-Closas M, Tardon A, Garcia-Closas R, Serra C, Carrato A, Castano-Vinyals G, Yeager M, Chanock SJ, Lloreta J, Rothman N, Real FX, Dosemeci M, Malats N, and Silverman D. (2006)
Hair dye use is not associated with risk for bladder cancer: Evidence from a case-control study in Spain.
Eur J Cancer, 42(10), 1448-14454

(4) Efird J.T., Holly E.A., Cordier S., Mueller B.A., Lubin F., Filippini G., Peris-Bonet R., McCredie M., Arslan A., Bracci P. and Preston-Martin S. (2005)
Beauty Product-related Exposurees and Childhood Brain Tumors in Seven Countries: Results from the SEARCH International Brain Tumor Study
Journal of Neurooncology 72, 133-147

(5) Kamila Czene, Sanna Tiikkaja, and Kari Hemminki (2003)
Epidemiology – Cancer Risk in Hairdressers: Assessment of Carcinogenicity of Hair dyes and Gels
International Journal of Cancer 105, 108-112

(6) Pelucchi C., Bosetti C., Negri E., Malvezzi M., and La Vecchia C. (2006)
Mechanisms of Disease: The epidemiology of bladder cancer
Nature Clinical Practice Urology 3(6), 327-340

(7) Lin L., Dinney C.P., Crossman B., and Wu X. (2006)
Personal Permanent Hair Dye Use is not associated with Bladder Cancer Risk: Evidence from a Case-Control Study
Cancer Epidermiol Biomarkers Prev. 15(9), 1746-1749

(8) Bolt H.M., Golka K. (2007)
Crit Rev Toxicol. 37(6), 521-536

(9) Ros M.M., Gago-Dominguez M., Aben K.K.H., Bas Bueno-de-Mesquita H., Kampman E., Vermeulen S.H., Kiemeney L.A. (2012)
Personal hair dye use and the risk of bladder cancer: a case–control study from The Netherlands
Cancer Causes Control 23, 1139-1148

(10) Turati F., Pelucchi C., Galeone C., Decarli A., La Vecchia C. (2014)
Personal hair dye use and bladder cancer: a meta-analysis
Ann Epidemiol. 24(2), 151-159

(11) de Sanjose, S., Benavente, Y., Nieters A., Foretova L., Maynadié M., Cocco P.L., Staines A., Vornanen M., Moffetta P., Becker N., Alvaro T., and Brennan P. (2006)
Association between Personal Use of Hair Dyes and Lymphoid Neoplasms in Europe
American Journal of Epidemiology 164(1), 47-55

(12) Mendelsohn J.B., Li Q.-Z., Ji B.-T., Shu X.-O.,Yang G., Li H.-L., Lee K.-M., Yu K., Rothman N., Gao Y.-T., Zheng W., and Chow W.-H. (2009)
Personal use of hair dye and cancer risk in a prospective cohort of Chinese women
Cancer Science (11), DOI: 10.1111/j.1349-7006.2009.01149.x

(13) http://www.cir-safety.org/sites/default/files/hairdyeepidemiology-2014.pdf

(14) Scientific Committee on Consumer Products (2001 und 2005)
Opinions SCCNFP/0484/01, fin und SCCP/0930/05

(15) Scientific Committee on Consumer Safety 2010 Opinions SCCS/1311/10 http://ec.europa.eu/health/scientific_committees/consumer_safety/docs/sccs_o_037.pdf

Weitere Artikel

Weitere Artikel
Weitere Themen