Journalisten-Kosmetiktraining: Basiswissen zum Thema Parfum

Am 12. und 13. November 2013 trafen sich in Hamburg und München interessierte Beauty-JournalistInnen zum jährlichen Weiterbildungsseminar des Kompetenzpartners Schönheitspflege im IKW. Die wichtigsten Erkenntnisse waren:

• Parfums sind so sicher wie Duschcreme oder Lippenstift.

• Unterschiedliche Gerüche sprechen unterschiedliche Areale im Gehirn an.

• Frauen riechen auch mit ihrem Immunsystem, und: die Pille ist ein Liebeskiller!

• Intensivpflege für die Haare sollte sinnlich duften, nicht nach Zitrone.

Wie ein gutes Parfum gliederte sich die Veranstaltung in einen anregenden Kopf-, verblüffenden Herz- und unvergesslichen Basisteil. Am Anfang stand die spannende Frage: Lösen Parfums häufig Allergien aus?

Gesetzgebung im Kopf: Parfums unterliegen den Anforderungen der EG-Kosmetikverordnung

Dieses Vorurteil räumte Birgit Huber, Bereichsleiterin Schönheitspflege, schnell aus. Tatsächlich zählen Parfums genau wie Sonnencreme, Deodorant und Haarspray zu den kosmetischen Mitteln. Als solche müssen sie den Anforderungen der europäischen Kosmetikverordnung genügen. Jede verwendete Duftzutat darf nach dem Kosmetikgesetz nur verwendet werden, wenn sie über eine Unbedenklichkeitsbescheinigung verfügt. Für die Sicherheit des Parfumöls bürgt der Rohstoffhersteller. Bei der Auswahl der Rohstoffe orientiert er sich am »Code of Practice« der internationalen Vereinigung der Duftstoff verarbeitenden Industrie (IFRA). Im IFRA-Standard sind alle zugelassenen Parfumkomponenten dokumentiert. Interessierte klicken auf www.ifraorg.org und nutzen für die Recherche gleich noch das Parfum-Glossar unter www.schönheitspflege.org im Bereich Themen/Wissenswertes.

Nach dieser rationalen Herangehensweise ans Thema »Duft« wurde es emotional. Dr. Joachim Mensing, Psychologe aus Florida, deckte auf, wie Gerüche die Gefühle steuern.

Mitten ins »Herz« der Gefühle: Hautdüfte heizen Mandelkernen ein

Bereits in seiner Doktorarbeit war Mensing der Wechselwirkung zwischen Parfum, Persönlichkeit und Stimmung nachgegangen. Seinerzeit entstand ein eigenes Testverfahren, mit dem sich individuelle Duftpräferenzen bestimmen lassen. Im Laufe des Vortrags wurde schnell klar: den Seelenforscher faszinieren besonders die aktuellen Erkenntnisse aus der Hirnforschung. Die wichtigste: mit bildgebenden Verfahren lässt sich belegen, dass unterschiedliche Duftbausteine in unterschiedlichen Hirnarealen verarbeitet werden. So aktivieren Blumendüfte zum Beispiel den Hippocampus, der unser Erinnerungsvermögen steuert. Gourmetnoten wie Schokolade und Vanille »landen« dagegen im Hypothalamus, dem Sexualzentrum des Menschen. Zitrusnoten werden im somatosensorischen Cortex, dem Wahrnehmungszentrum »gerochen«. Als Duftadressat besonders spannend ist jedoch der Mandelkern, die Amygdala. Sie bildet die Chefzentrale des Limbischen Systems, ist zuständig für Angst- und Lustempfindungen. Düfte, die an die menschliche Haut erinnern, machen die weibliche, stärker vernetzte Amygdala regelrecht »high«. Das erklärt den großen Erfolg von Schmuse-Florientals wie Le Bain von Joop! Für viele ZuhörerInnen eine weitere »Breaking News«: Frauen sind von Natur aus auf Partner geeicht, die ein anderes Immunsystem besitzen, als sie selbst. Inzwischen weiß man, dass ihnen die MHC-Gene bei der Partnersuche helfen (MHC = engl. für Major Histocompatibility Complex). MHC-Gene beeinflussen die Immunabwehr, aber auch den Körpergeruch. Je größer die Unterschiede zu den MHC-Genen eines Mannes, um so heterogener dessen Immunsystem und anziehender sein Eigengeruch. Den für gesunden Nachwuchs richtigen Riecher haben Frauen jedoch nur, wenn sie nicht die Pille nehmen...

Näher am Wunschselbst: Gestresste riechen zum Anbeißen gut

Wer erfolgreich Düfte lancieren will, sollte noch andere Zusammenhänge kennen, zum Beispiel: Menschen wählen bestimmte Duftkategorien, um ihrem Idealselbst näher zu kommen und sich auf diese Weise besser zu fühlen. Das erklärt, warum gestresste Menschen auffallend häufig fruchtige, gourmethafte Noten bevorzugen. Joachim Mensing erinnerte daran, dass Gourmetnoten im Hypothalamus verarbeitet werden und dazu führen, dass sich die Verwenderinnen attraktiver und sexy fühlen. Clevere Marketingstrategen, die die Motive ihrer Zielgruppe so genau kennen, erschaffen mittels Flakon, Verpackung und Vermarktung eine multisensorische Welt, die dem Wunschgefühl exakt entspricht. Dass Duft und Verkaufsstrategie zusammen passen, ist aber auch für alle anderen Schönheitsmittel der Schlüssel zum Erfolg. Eindrucksvoll belegte das Heike Jeannette Hegmann am Beispiel Haarpflege.

Marketing-Basics: der Duft muss die Pflegeaussage unterstreichen

Stimmt die Duftbotschaft nicht, verkauft sich weder Anti-Aging-Creme noch Haarshampoo. Letzteres sollte warm und sinnlich riechen, wenn der Pflegeaspekt im Vordergrund steht. Ein Volumen-Shampoo dagegen bekommt mit z. B. Grapefruit-Noten mehr Überzeugungskraft. Heike Hegmann weiß das aus langjähriger Erfahrung in der Parfumindustrie. Um ein Shampoo im Markt zu etablieren, muss sein Duft außer zum Pflegeanspruch auch zum Konzept bzw. der DNA der Marke passen. Wichtig ist auch, dass die Parfümierung mit den botanischen Inhaltsstoffen der Rezeptur harmoniert und aktuellen Dufttrends nicht zuwiderläuft (in der Haarpflege sind nach wie vor blumig-fruchtige Noten besonders populär, für die zunehmend beliebten Haaröle z. B. Vanille, Honig und Kokosnuss). Handelt es sich um Salonprodukte, dürfen sie nicht zu intensiv riechen, weil Friseure sie tagtäglich benutzen. Nicht zuletzt muss die Aufmachung halten, was der Inhalt verspricht.

Zum Finale: Geza Schön lässt den Geist aus den Flakons

Mit 13 Jahren konnte Geza Schön schon über 100 Düfte unterscheiden. Später kreierte er viele bekannte Parfums. Zum diesjährigen Journalisten-Kosmetiktraining brachte der Parfumeur zwar keine Duftorgel mit, lud dafür mit einer Auswahl an wegweisenden Parfum-Klassikern und angesagten Ingredientien zum Schnupper-Kurs. Das olfaktorische Feuerwerk reichte von Änais Änais bis Shalimar, von Ambre bis Patchoulol. Die vielen Wohlgerüche forderten das Duftgedächtnis der Erfahrenen und weckten die Neugier der Newcomer, Spaß an »Geza’s kleiner Riechschule« hatten alle.

Fazit: die Veranstaltung war eine Bereicherung für Kopf, Herz und Verstand, und hallte lange nach - wie die Basisnoten eines gut komponierten Parfums!

Zu den Seminaren:

Seit 2006 bietet der Kompetenzpartner Schönheitspflege ganztägige Weiterbildungsseminare an. International anerkannte Experten aus Forschung und Entwicklung vermitteln Basiswissen über Haut und Haar, gepaart mit neuesten Erkenntnissen und erklären die Zusammensetzung moderner Kosmetikprodukte. Die Seminare eignen sich für JournalistInnen, die ihr Wissen auffrischen und auf den neuesten Stand bringen möchten.

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