Deklarationsgrenze für Formaldehyd in kosmetischen Mitteln

Mitteilung des Bundesgesundheitsamtes (Bundesgesundheitsblatt 2/91)

In der Kommission für kosmetische Erzeugnisse des Bundesgesundheitsamtes wurde die in der Kosmetik-Richtlinie der EG und der Kosmetik-Verordnung festgesetzte Untergrenze von 0,05 % für die Deklaration von freiem Formaldehyd erneut diskutiert. Den Dermatologen unter den Mitgliedern der Kommission wurde der Auftrag erteilt, auf der Basis ihrer klinischen Erfahrungen unter Beteiligung von weiteren Fachkollegen zu prüfen, ob die genannte Deklarationsgrenze nach neuesten allergologischen Erkenntnissen beibehalten werden könne. Eine entsprechende Stellungnahme wurde in der 42. Sitzung der Kommission am 17.5.1990 vorgetragen. Die beteiligten Dermatologen mit speziellen Kenntnissen auf dem Gebiet der Kontaktallergie (Prof. Dr. P. Frosch, Dortmund; Prof. Dr. H. Ippen, Göttingen; Prof. Dr. F. Klaschka, Berlin; Prof. Dr. K. H. Schulz, Hamburg; Prof. Dr. G. Stüttgen, Berlin und Prof. Dr. Tronnier, Witten-Annen) kommen zu dem Schluss, dass die Deklarationsgrenze nicht geändert werden sollte. Als Begründung dafür wird angegeben:

1. Die Auslösung eines Kontaktekzems bei einem bereits gegen Formaldehyd Sensibilisierten durch ein kosmetisches Mittel mit weniger als 0,05 % freiem Formaldehyd wurde im eigenen Patientengut nur in extrem seltenen Fällen beobachtet und durch Tests gesichert.

2. Eine Sensibilisierung gegen Formaldehyd durch entsprechende kosmetische Mittel wurde in keinem Fall beobachtet.

3. Eine Absenkung der deklarationspflichtigen Konzentrationen für den Formaldehyd birgt auch die Gefahr des Einsatzes von Konservierungsmitteln mit wesentlich stärkerer Allergenität in sich; diese müssen bisher nicht deklariert werden.

4. Darüber hinaus würde eine solche Absenkung aber auch bei der Gerätedesinfektion den Austausch des Formaldehyds gegen potentere Allergene nach sich ziehen. Eine niedrigere Konzentrationsgrenze könnte nämlich auch technologisch durch die Maschinenreinigung bedingte, im Produkt verbleibende, also nicht zugesetzte Formaldehyd-Mengen erfassen, die jedoch allergologisch belanglos sind.

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