„Kosmetikcheck“ des BUND als Orientierungshilfe völlig ungeeignet

Frankfurt, 24. Juli 2013 – Wer in Deutschland zu Sonnenschutzmitteln, Deo oder Shampoo greift, kann diese Produkte ohne gesundheitliche Bedenken anwenden. Das gewährleisten sorgfältige Sicherheitsbewertungen der Hersteller und die wissenschaftlich fundierte Prüfung und Genehmigung durch nationale und internationale Behörden. Warnungen wegen vermuteter hormonähnlicher Wir­kung bestimmter Inhaltsstoffe sind  unbegründet. Darauf weist der Industrieverband Körperpflege- und Waschmittel e. V. (IKW) hin. Aktueller Anlass ist eine heute vom Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) vorgestellte App zur Identifizierung vermeintlich gesundheitlich vorteilhafter Pro­dukte, der so genannte Kosmetikcheck.

Zum Hintergrund: Manche Stoffe, die eine endokrine Aktivität – also eine den menschlichen Hormo­nen vergleichbare Wirkung – aufweisen, kommen auch in kosmetischen Mitteln zum Einsatz. Dazu zählen unter anderen UV-Filter, die schädliche ultraviolette Strahlung aus dem Sonnenlicht herausfil­tern oder Konservierungsmittel, die Kosmetikprodukte vor dem mikrobiellen Verderb schützen. Der daraus vom BUND abgeleitete Zusammenhang zwischen der Verwendung von Produkten mit diesen Inhaltsstoffen und bestimmten Erkrankungen ist jedoch falsch. Die Substanzen kommen in so gerin­gen Mengen mit dem menschlichen Körper in Kontakt, dass eine hormonähnliche Wirkung nicht ein­treten kann.

Dies bestätigen anerkannte wissenschaftliche Untersuchungen und die für die gesundheitliche Si­cherheit verantwortlichen Behörden wie das Bundesinstitut für Risikobewertung, das feststellt: „Entschei­dend für die Einschätzung des gesundheitlichen Risikos ist die Exposition, also der Umfang, in dem ein Mensch mit einer endokrin wirkenden Substanz in Kontakt kommt. Die derzeit vorliegenden Daten zur Exposition gegenüber einzelnen Substanzen ergeben keine wissenschaftlich fundierten Belege für eine Gesundheitsgefährdung, auch nicht für besonders empfindliche Verbrauchergruppen wie Klein­kinder oder Jugendliche in der Pubertät.“

Der im Widerspruch zu wissenschaftlichen Erkenntnissen und der Bewertungen durch die zuständigen Behörden nun angebotene Kosmetikcheck ist aus Sicht des IKW als Verbraucherorientierung völlig ungeeignet. „Es ist nicht im Sinne eines glaubwürdigen Verbraucherschutzes, wenn Interessengrup­pen unbegründet Ängste schüren“, so Birgit Huber, Leiterin des Bereichs Schönheitspflege im IKW.

Nach Einschätzung des IKW interpretieren die Verantwortlichen der BUND-App die zugrundeliegen­den Daten einseitig in ihrem Sinne, um die 60.000 mit dieser Smartphone-Anwendung abrufbaren Produkte in die von ihnen selbst definierten Kategorien einzustufen. So werden Produkte abgewertet, die Inhaltsstoffe aus einer vorläufigen Prioritätenliste der Europäischen Union (EU) für Verdachtsstoffe mit endokriner Aktivität enthielten. Anders als vom BUND nahegelegt, seien die dort aufgeführten Stoffe jedoch  keineswegs von den Behörden als besorgniserregend eingestuft worden, sondern die Liste wurde ohne nähere Wertung des wissenschaftlichen Gewichts einzelner Studien erstellt. Be­wertungen von Behördengremien, die für Kosmetikinhaltsstoffe die Sicherheit belegen, wurden in die­ser Liste nicht berücksichtigt. „Die EU Verbraucherschutzbehörden haben die in Kosmetikprodukten eingesetzten Stoffe als sicher bewertet“, so Birgit Huber.

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